{"id":5127,"date":"2017-01-31T14:07:56","date_gmt":"2017-01-31T14:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=5127"},"modified":"2017-02-01T07:56:05","modified_gmt":"2017-02-01T07:56:05","slug":"herr-dr-helmut-spoo-ueber-umwelt-und-umfeldgerechte-kunststoffverpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2017\/01\/31\/herr-dr-helmut-spoo-ueber-umwelt-und-umfeldgerechte-kunststoffverpackungen\/","title":{"rendered":"Herr Dr. Helmut Spoo \u00fcber umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen"},"content":{"rendered":"<p>Herr Dr. Helmut Spoo studierte Bergbau an der RWTH Aachen und der TU Clausthal. Er war Doktorand im Forschungszentrum J\u00fclich und promovierte an der RWTH Aachen im Bereich Abfallwirtschaft und Recycling zum Dr.-Ing. mit dem Thema &#8220;Untersuchungen zur Verwertung und Deponierung von Steinkohlenaschen und Rauchgasreinigungsr\u00fcckst\u00e4nden&#8221;.<\/p>\n<p>Nach einer mehrj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit in den Bereichen Abfall\/Recycling, Arbeitsschutz\/Gefahrstoffe sowie als Auditor von Qualit\u00e4tsmanagementsystemen bei einem Technischen \u00dcberwachungsverein ist Herr Dr. Spoo seit 1995 als selbstst\u00e4ndiger Berater, Gutachter und Referent t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Herr Dr. Spoo ist Spezialist f\u00fcr Rohstoffgewinnung, Rohstoffaufbereitung und Vermarktung und besch\u00e4ftigt sich in diesem Bereich intensiv mit innovativen und hochwertigen Verwertungsverfahren und R\u00fccknahmesystemen sowie Ressourcen- und Energieeffizienz.<\/p>\n<p><em><strong>Die Tagungs\u00fcberschrift: Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen beschreibt den Spannungsbogen zwischen Marketing-, Konsumenten- und Umweltanforderungen. Wie sehen Sie insgesamt, abgesehen von Ihrem Vortragsthema, die Rolle der Verpackung im gesellschaftlichen Umfeld? Verpacken wir richtig?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Verpackungen sind zum Schutz des F\u00fcllgutes unverzichtbar. Es wird aber zu viel und vielfach auch unn\u00f6tig verpackt. Das \u00e4rgert den Verbraucher, wie die j\u00fcngst publizierte Untersuchung der Verbraucherzentrale NRW gezeigt hat. Der &#8220;Schuss&#8221; geht f\u00fcr die Verpackungshersteller nach hinten los. So viel Marketing kann gar nicht gemacht werden, um verprellte Kunden wieder zur\u00fcckzugewinnen. Mittlerweile geht es auch ohne Verpackungen, wie das Projekt \u201eUnverpackt\u201c\u00a0 am Beispiel Laserkennzeichnung von Bio-Lebensmitteln zeigt.<br \/>\nViele Verpackungen sind auch nicht optimal konstruiert. Dies haben eigene Untersuchungen bez\u00fcglich der Restentleerbarkeit, d. h. der Entnahme des F\u00fcllgutes, gezeigt.<\/p>\n<p>F\u00fcr flexible Verpackungen sollte unbedingt ein praktikables R\u00fccknahmesystem aufgebaut und eingerichtet werden, damit diese \u201eHigh-Tech\u201c-Verpackungen nicht in der Verbrennung landen.<\/p>\n<p><em><strong>Mit Ihrem Thema\u00a0\u201eCircular Economy, die EU-Strategie zur F\u00f6rderung der Kreislaufwirtschaft\u201c leisten Sie einen inhaltlich sehr gut passenden Beitrag. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wir brauchen neben der Energiewende eine Rohstoffwende. Ziel der\u00a0 &#8220;Circular Economy-Strategie&#8221;\u00a0 ist die F\u00f6rderung\u00a0 des Recyclings, genau genommen des hochwertigen Recyclings. Quoten allein sagen noch nichts aus. Die Qualit\u00e4t des Recyclings und die Qualit\u00e4t der zur\u00fcckgewonnenen Sekund\u00e4rrohstoffe sind von entscheidender Bedeutung, wenn Verwertungskreisl\u00e4ufe auf hohem Niveau geschlossen werden sollen. Die Verbrennung ist die niedrigste Stufe der \u201eVerwertung\u201c, aber letztendlich Rohstoffvernichtung, und sie tr\u00e4gt durch die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen zur globalen Erw\u00e4rmung bei. Die Deponierung will die EU in den n\u00e4chsten Jahren verbieten. Deponieren ist meines Erachtens Verstecken von Rohstoffen und Ausdruck unterlassener Verwertungsbem\u00fchungen.<\/p>\n<p>\u00dcber Nachhaltigkeit und Rohstoff-\/Ressourceneffizienz wird viel geredet, aber nur wenig tats\u00e4chlich getan. Nur eine geringe Anzahl von Unternehmen setzt das wirklich konsequent um. Es herrscht vielfach noch die Denke vor, es wird noch eine ganze Weile so weitergehen wie bisher. Rohstoffe seien noch gen\u00fcgend vorhanden. Dem ist nicht so. Au\u00dferdem ist die Verf\u00fcgbarkeit ungewiss. An den Rohstoffm\u00e4rkten\u00a0 sind bereits erhebliche Ver\u00e4nderungen im Gange.<\/p>\n<p><em><strong>Medien und auch die \u00f6ffentliche Meinung tendieren in j\u00fcngerer Vergangenheit eher zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bem\u00e4ngelt. Wie sch\u00e4tzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verh\u00e4ltnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Verpackungen haben eine wichtige Funktion. Neben den Umweltanforderungen muss auch der gesamte Bereich Chemikalienrecht (z. B. REACH oder die POP-Verordnung)\u00a0 im Blick sein. Die Beispiele Mikroplastik und HBCD-haltige Polystyrolabf\u00e4lle zeigen \u2013 auch wenn es sich hier nicht um Verpackungen handelt \u2013 dass eine vernetzte Denkweise wichtig ist, denn Chemikalienrecht hat Vorrang vor dem Kreislaufwirtschaftsrecht. Bei Lebensmittelverpackungen spielt die Schadstoffproblematik eine besonders wichtige Rolle. Diese Thematik ist beim Recyclingprozess zu beachten.<\/p>\n<p><em><strong>Wo sehen Sie die Schl\u00fcsselstellen f\u00fcr das Gelingen eines echten Kreislaufwirtschaftens?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Am wichtigsten ist, dass Produkte so konzipiert werden, dass sie kreislauff\u00e4hig sind. Hier herrscht vielfach noch lineares Denken in den Unternehmen vor.<\/p>\n<p>Die Herstellung kreislauff\u00e4higer Produkte ist eine Querschnittsaufgabe im Unternehmen. Hier m\u00fcssen alle an einem Strang ziehen. Das gilt auch f\u00fcr den Einkauf, das Marketing und den Vertrieb.<\/p>\n<p>Voraussetzung f\u00fcr ein wirtschaftliches Recycling ist eine effiziente Erfassungslogistik und die Information des Verbrauchers. Das Ganze muss einfach und bequem sein (Convenience auch in der Retourlogistik). Ferner ist ein intensiver Dialog innerhalb der gesamten Recyclingkette bis hin zum Endverwerter erforderlich. Wir ben\u00f6tigen zudem als Pendant zur globalen Prim\u00e4rrohstoffgewinnung eine globale Kreislaufwirtschaft mit entsprechenden Qualit\u00e4tskriterien.<\/p>\n<p><em><strong>Folienverpackungen werden als Minimalverpackung bezeichnet. Doch in einem Punkt sind sich viele einig &#8211; das Recycling ist schwierig und belastet die \u00d6kobilanz der Folie. Wie sch\u00e4tzen Sie diesen Nachteil im Vergleich zu Mehrweg- oder Pfandsystemen ein, wie es uns die Flaschenindustrie vormacht?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass das Recycling schwierig ist. Man muss es nur wollen. Recycling ist nicht gleich Recycling. Ich bin ein Verfechter des hochwertigen Recyclings, also der stofflichen Verwertung, und zwar auf hohem Niveau. Hier ist Spezialwissen gefragt. Ich entwickele High-Tech-Recyclingverfahren unter Einsatz modernster Identifikations- und Sortiertechnik. Downcycling hat keine Chance mehr am Markt. Verbrennen ist kein Beitrag zum Ressourcenschutz und l\u00e4uft auch den Bem\u00fchungen zum Klimaschutz zuwider.<\/p>\n<p>Und was die \u00d6kobilanz angeht \u2013 es ist immer eine Frage der Bilanzgrenzen. Wenn man die Umweltauswirkungen der Prim\u00e4rrohstoffgewinnung monet\u00e4r bewerten und in die Produkte einpreisen w\u00fcrde, h\u00e4tte das Recycling eindeutige Vorteile. Diese Betrachtungsweise wird sehr bald kommen.<\/p>\n<p><em><strong>Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? W\u00e4hlen Sie Produkte bewusst oder unbewusst nach der Verpackung und nicht nur nach dem Inhalt aus? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann das Image eines Packmittels im Vergleich zu alternativen Packmitteln ein?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Da ich mich beruflich seit Jahren intensiv u. a. mit Verpackungen besch\u00e4ftige und ich 1998 auch als Gutachter an der Novelle der Verpackungsverordnung (Gr\u00fcne-Punkt-F\u00e4higkeit von Gefahrstoffverpackungen) beteiligt war, achte ich nat\u00fcrlich auch privat auf optimierte Verpackungen. Die findet man leider selten im Regal. Dennoch gibt es sie. Ich habe eine Pr\u00fcfmethode und ein patentiertes Pr\u00fcfger\u00e4t zur Untersuchung der Restentleerbarkeit von Verpackungen (z. B. Kanistern) entwickelt und in Zusammenarbeit mit Verpackungsherstellern deren Verpackungen gepr\u00fcft und auf freiwilliger Basis zertifiziert. Hier l\u00e4sst sich oftmals mit einfachen Mitteln eine Verbesserung erzielen. Funktionalit\u00e4t, optisches Erscheinungsbild und Anforderungen des Umweltschutzes sind keineswegs Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p><em><strong>Eines Ihrer Lieblingsthemen ist Ressourcen- und Energieeffizienz. Leben Sie das auch privat, wie setzen Sie das um?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wer sich mit Rohstoffen, mit Ressourcen- und Energieeffizienz beruflich besch\u00e4ftigt, sollte sich auch privat diesem Thema widmen, um glaubw\u00fcrdig zu sein.<\/p>\n<p>So weit wie m\u00f6glich achte ich daher darauf. Leider kommen viele Hersteller noch nicht ihrer Produktverantwortung nach. Viele Produkte sind nicht kreislauff\u00e4hig gestaltet bzw. es fehlen R\u00fccknahmeangebote nach Gebrauch.<\/p>\n<p><em><strong>Zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Frage: Was begeistert Sie au\u00dferhalb ihres Berufes?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ich bin seit meinem neunten Lebensjahr begeisterter Hobbymusiker. Spiele u. a. Keyboard, Saxophon und noch andere Instrumente und habe in verschiedenen Bands gespielt.<\/p>\n<p>Ich tanze auch sehr gern, bin gern in der Natur und liebe Kurzreisen, um Land und Leute kennenzulernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Dr. Helmut Spoo studierte Bergbau an der RWTH Aachen und der TU Clausthal. Er war Doktorand im Forschungszentrum J\u00fclich und promovierte an der RWTH Aachen im Bereich Abfallwirtschaft und Recycling zum Dr.-Ing. mit dem Thema &#8220;Untersuchungen zur Verwertung und Deponierung von Steinkohlenaschen und Rauchgasreinigungsr\u00fcckst\u00e4nden&#8221;. 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