{"id":7161,"date":"2019-03-18T07:35:08","date_gmt":"2019-03-18T07:35:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7161"},"modified":"2019-03-26T06:40:59","modified_gmt":"2019-03-26T06:40:59","slug":"jochen-moesslein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/03\/18\/jochen-moesslein\/","title":{"rendered":"Jochen M\u00f6\u00dflein &#8211; Alle Kunststoffverpackungen k\u00f6nnten durch Tracer mit einer kleinen Druckfl\u00e4che spezifikationsgerecht sortiert werden"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Mit Ihrem Thema &#8220;Tracer Based Sorting identifiziert jedes Packmittel recyclinggerecht&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Kunststoffverpackungen k\u00f6nnen durch unsere Fluoreszenzpartikel so markiert und sortiert werden, dass sie bestm\u00f6glich und ohne aufwendige Aufbereitung wiederverwendet werden k\u00f6nnen. Eine solche Fraktion k\u00f6nnen z. B. alle PE-Verpackungen im Personal-Care-Bereich, also Duschmittel, Shampoos und dergleichen, sein. In diesem Sinne w\u00e4re es m\u00f6glich, in die Untergruppen der Hauptpolymere zu differenzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fluoreszenzpartikel k\u00f6nnen durch unsere spezielle Technologie als Sortiercode aufgesetzt werden. Ein kleiner aufgedruckter (Logo-) Punkt auf jeder Verpackung w\u00fcrde reichen, um den Sortiercode jeder Verpackung zu detektieren und alle Verpackungen dieser Fraktion sortenrein abzulegen. Der markierte Sortiercode-Punkt kann durch eine zentrale Stelle vergeben werden und gleichzeitig zur Kontrolle der Lizenzgeb\u00fchr genutzt werden. Studien kommen zum Ergebnis, dass f\u00fcr 20 bis 40 % der Verpackungen keine Lizenz bezahlt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie stehen f\u00fcr das \u201eVerfolgen\u201c von Packmitteln und Materialien mittels s. g. Tracer. Welchen Vorteil sehen Sie bezogen auf heutige Techniken wie Nah-Infrarot-Analysen in den Sortieranlagen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die NIR-Technologie kann nur nach den (5 bis 6) Hauptpolymeren differenziert werden, was bei weitem nicht reicht, um wirtschaftlich sortenreine und spezifikationsgerechte Rezyklate generieren zu k\u00f6nnen. Die Verpackungen werden zigmal detektiert bzw. gemessen und trotzdem sind die sortierten Fraktionen weder sortenrein noch differenziert genug. Ein weiterer Aspekt ist, dass man durch die pr\u00e4zisere Sortierung mit TBS weitgehend auf eine Nachsortierung von Flakes verzichten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt, durch Tracer Based Sorting k\u00f6nnte man genau nach den Spezifikationen sortieren, die man zusammen wieder zu einem spezifischen, hochwertig einsetzbaren Granulat compoundieren k\u00f6nnte. Ferner k\u00f6nnte man zwischen Lebensmittel- und Nicht-Lebensmittel-Verpackungen differenzieren, was mit der NIR-Technik \u00fcberhaupt nicht geht, genauso wie die Differenzierung nach Brands. Letzterer Aspekt ist sehr wichtig, weil die Brands am besten ihre Versprechen zum Einsatz von Rezyklaten erf\u00fcllen k\u00f6nnen, wenn sie \u201eihre\u201c Materialien in konsistenter Weise zur\u00fcckbekommen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsm\u00fcll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa (zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg). Welche Besonderheit steckt Ihrer Meinung nach hinter dieser Zahl?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich vermute, dass der spezifische Verpackungsverbrauch in erster Linie mit der Wohlfahrt und dem spezifischen Konsum korreliert. Die Deutschen an sich sind durchaus verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig umweltbewusst. Hinzu k\u00f6nnte kommen, dass der Trend zu kleinen Haushalten in Deutschland im europ\u00e4ischen Vergleich ausgepr\u00e4gt ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Verpackungsgesetz soll Verpackungsm\u00fcll reduzieren oder anders gesagt Packmittelnutzen verbessern. Wie sieht Ihre Empfehlung zu diesem Themenkomplex aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man ehrlich rechnet, liegt die werkstoffliche Recyclingquote f\u00fcr Kunststoff-Verkaufsverpackungen bei 20 bis 30 %. Um auf 63 % zu kommen, muss \u201eDesign for Recycling\u201c und eine wesentlich bessere Sortierung umgesetzt werden. Ich denke, der Staat muss st\u00e4rkere Vorgaben machen, die eine Gleichbelastung f\u00fcr alle Akteure sein m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen \u201e5-Punkte-Plan\u201c mit Ma\u00dfnahmen f\u00fcr weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn Gurken in Folien eingeschwei\u00dft und Obst und Gem\u00fcse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Beh\u00e4lter an der Frischetheke erm\u00f6glicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dort, wo Verpackungen neben Bequemlichkeit keinen Nutzen stiften, sollte man auf sie verzichten. Zum Beispiel k\u00f6nnte K\u00e4se direkt in den privaten Mehrweg-Beh\u00e4lter gegeben werden. Bei vielen Verpackungen geht es aber um Haltbarkeit und Hygiene. F\u00fcr all diese Verpackungen l\u00f6sen Design for Recycling und Tracer Based Sorting (TBS) das Plastik-M\u00fcll-Problem, weil die beiden Komponenten zusammen eine wirkliche Kreislaufwirtschaft erm\u00f6glichen. Wesentliche Grundlage ist die spezifikationsgerechte, sortenreine Sortierung durch TBS, die vermutlich auch wirtschaftlicher sein wird als die jetzige Sortiertechnik. Beim Wiedereinsatz der spezifikationsgerechten Rezyklate kann und soll ein noch zu optimierender Anteil an virginem Kunststoff eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ist Recycling f\u00fcr Sie der richtige Weg raus aus der Packmittel-Diskussion?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich, deponieren kann keine Alternative sein. K\u00e4me noch Verbrennen in Betracht, wobei die Lebenszyklusanalyse f\u00fcr Recycling wohl deutlich besser ist als f\u00fcr das Verbrennen. Ferner werden durch den Umbau der Energiewirtschaft in Richtung erneuerbarer Energien immer weniger Verbrennungskapazit\u00e4ten erforderlich. Eine weitere Rolle kann chemisches Recycling oder gezielter biologischer Abbau sein. Aber auch f\u00fcr diese Aufbereitungs- und Entsorgungswege ist es sinnvoll, vorher eine effiziente Sortierung zu schalten, so dass sowohl chemisches Recycling als auch der gezielte biologische Abbau einen geeigneten, sortenreinen Inputstrom haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen die \u201eInverkehrbringer\u201c von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Konsequentes Design for Recycling und Tracer Based Sorting.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne von Design for Recycling optimiert, gleichzeitig effizient sortierbar, vermutlich durch TBS, und ausgerichtet auf entweder werkstofflichen Wiedereinsatz, biologischem Abbau oder chemischem Recycling.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Und wie sieht die f\u00fcr Sie aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche es. Meine Kinder sind da viel konsequenter. Wir kaufen praktisch nur regionale Lebensmittel mit geringen Verpackungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie genau nehmen Sie es pers\u00f6nlich mit der M\u00fclltrennung? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann die M\u00fclltrennung ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile nehme ich es ziemlich genau. Vor allem habe ich jetzt gelernt, dass man den Alu-Deckel vom Joghurt-Becher abtrennen sollte. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen das z. B. nicht wissen. Die Soziologen sagen, dass man mit etwas mehr an Aufkl\u00e4rung sehr viel erreichen k\u00f6nnte. Von daher bin ich optimistisch, dass die Verpackungen nach Material getrennt und weitgehend intakt bzw. ganz, also nicht in St\u00fccke zerschnitten, im Abfall und dann bei der Sortierung ankommen. Je gr\u00f6\u00dfer, je monolithischer die Verpackungsartikel, desto besser f\u00fcr die Sortierung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Frage: Was begeistert Sie au\u00dferhalb Ihres Berufes?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Windsurfen, Snowboarden, Skifahren, Mountain-Biken und auch gute, vision\u00e4re B\u00fccher.<\/p>\n\n\n\n<p> <em>Jochen M\u00f6\u00dflein studierte Physik an den Universit\u00e4ten Kiel, Konstanz  (Abschluss Diplom) und forschte zus\u00e4tzlich an der Universit\u00e4t Stanford  (Kalifornien\/USA). Ferner hat Jochen M\u00f6\u00dflein an der Universit\u00e4t  Stuttgart BWL studiert (Abschluss Diplom\/Zulassung zur Promotion).<br><br> Jochen M\u00f6\u00dflein hat in den letzten 20 Jahren mehrere  Technologieunternehmen als Unternehmer und\/oder Investor gegr\u00fcndet,  finanziert und\/oder gemanagt, darunter ein Solarkollektor-Hersteller,  ein Biomasse-Unternehmen und ein Softwareunternehmen. In Bezug auf Exits  waren darunter u. a. ein B\u00f6rsengang (BioTissue AG\/Biotechnologie) und  ein gro\u00dfer Trade Sale (Camlog AG\/Dentalimplantate).<br><br> Jochen M\u00f6\u00dflein ist Gr\u00fcnder, Gesellschafter und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der  Polysecure GmbH. Er verantwortet insbesondere den Bereich Gesch\u00e4fts- und  Technologieentwicklung. Innovationen unternehmerisch umsetzen, die zu  einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, ist Leidenschaft und Ziel von  Jochen M\u00f6\u00dflein.<\/em><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ihrem Thema &#8220;Tracer Based Sorting identifiziert jedes Packmittel recyclinggerecht&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein? 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