{"id":7172,"date":"2019-03-17T19:56:16","date_gmt":"2019-03-17T19:56:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7172"},"modified":"2019-03-18T10:42:22","modified_gmt":"2019-03-18T10:42:22","slug":"albert-kaelin-ueber-cradle-to-cradle-design-innovationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/03\/17\/albert-kaelin-ueber-cradle-to-cradle-design-innovationen\/","title":{"rendered":"Albert K\u00e4lin \u00fcber Cradle to Cradle Design Innovationen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Mit Ihrem Thema &#8220;Cradle to Cradle Design Innovationen &#8211; Rethinking the way me make things&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was werden Ihre Kernaussagen sein? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kreislauff\u00e4higkeit von Produkten ist bei den meisten leider nicht gegeben. Mehrheitlich sind die Produkte &#8220;\u00d6kojunk mit Greenwashing untermauert&#8221; und nicht zukunftsf\u00e4hig, und als zweites Element sind viele giftige Substanzen enthalten. Diese Produkte sind mittels eines linearen Denkens und Wirtschaftens erstellt worden. Cradle to Grave (von der Wiege ins Grab) &#8211; wir m\u00fcssen einen Paradigmawechsel schaffen und die Rohstoffe in Kreisl\u00e4ufe bringen, und diese m\u00fcssen f\u00fcr Mensch und Umwelt sicher sein, darum &#8220;Safe and Circular&#8221; oder Cradle to Cradle. Das Konzept gibt es seit mehr als 25 Jahren, also eine Generation. Wir m\u00fcssen daher die Produkte anders konzipieren, und das geht nur \u00fcber Innovationen. An konkreten Beispielen werden wir aufzeigen, wie es funktioniert.<br><br><strong><em>Die Kunststoffverpackung dient in erster Linie dem Produktschutz und beugt somit Lebensmittelverschwendung vor. Trotzdem tendieren Medien und auch die \u00f6ffentliche Meinung in j\u00fcngster Vergangenheit immer mehr zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bem\u00e4ngelt. Wie sch\u00e4tzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verh\u00e4ltnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Zukunft ohne Plastik wird nicht m\u00f6glich sein, deshalb m\u00fcssen Innovationen her, die die Verpackung zukunftsf\u00e4hig machen, und diese muss mit dem Verpackungsgut qualitativ ebenb\u00fcrtig sein und nicht giftige Substanzen enthalten. Wir stehen also vor einer riesigen Herausforderung von der Industrie und der Chemie. Wir haben in den letzten 20 Jahren L\u00f6sungsans\u00e4tze geschaffen, wie zum Beispiel Druckfarben f\u00fcr die Verpackung oder biologisch abbaubare Polymere.<br> <br><strong><em>Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsm\u00fcll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa (zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg). Welche Besonderheit steckt Ihrer Meinung nach hinter dieser Zahl?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzept Cradle to Cradle\u00ae kennt keinen Abfall. An diesen L\u00f6sungen arbeiten wir, und der Kreislauf kann viel dazu beitragen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie sind das Gesicht zu Cradle to Cradle in Europa und vielen Projekten. Erste Kunststoffverpackungen sind nun schon nach Ihrem System zertifiziert. Welchen gro\u00dfen Nutzen bringt ein solches Zertifikat f\u00fcr das Design f\u00fcr Kreislaufwirtschaft?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Michael Braungart ist der Vision\u00e4r von Cradle to Cradle. Ich habe 1992 das erste Produkt weltweit mit ihm und McDonough zusammen geschaffen, vor \u00fcber 27 Jahren. Eine Zertifizierung f\u00fcr Kreisl\u00e4ufe gibt es, es ist die Cradle to Cradle Certified\u2122 Zertifizierung. Wir haben diese 2006 mit der Industrie entwickelt. Mittlerweile ist diese global, eine Produktzertifzierung \u00fcber alle Industrien, aber kein \u00d6kolabel, denn wir definieren nicht nach Grenzwerten, wir wollen wissen was drin ist. Gefordert ist die Bewertung aller Inhaltstoffe &gt;100 ppm (0.01%). Per Gesetz ist die Industrie gefordert, die kritischen Substanzen \u00fcber 1000 ppm (0.1%) anzugeben. Die Zertifizierung schafft also Transparenz. In einer PET Flaschen Verpackung haben wir bis zu 200 chemische Inhaltstoffe!!!!!! Wir entdecken da einige interessante \u00dcberraschungen, mehr anl\u00e4sslich des Vortrages. <br><strong><em> <br>Das Verpackungsgesetz soll Verpackungsm\u00fcll reduzieren oder anders gesagt, Packmittelnutzen verbessern. Wie sieht Ihre Empfehlung zu diesem Themenkomplex aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das geht in die richtige Richtung, aber der Qualit\u00e4tsansatz der Inhaltstoffe fehlt noch. Vom Ziel einer Verpackung der Zukunft sind wir aber mit dem Verpackungsgesetz noch weit entfernt. Es braucht eine andere Dimension von Innnovationen, diese k\u00f6nnen nur von der Industrie geschaffen werden. In unserer Rolle als Wissens- und Innovationstreuh\u00e4nder helfen wir dabei. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen \u201e5-Punkte-Plan\u201c mit Ma\u00dfnahmen f\u00fcr weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn Gurken in Folien eingeschwei\u00dft und Obst und Gem\u00fcse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Beh\u00e4lter an der Frischetheke erm\u00f6glicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind in der &#8220;Zwickm\u00fchle&#8221;, ein Teufelskreis, den wir durchbrechen m\u00fcssen. Nur mit Innovationen mit neuen Polymeren und der &#8220;sicheren&#8221; Chemie ist dies zu schaffen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ist Recycling f\u00fcr Sie der richtige Weg raus aus der Packmittel-Diskussion?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Kunststoffe toxisch sind, ist Recycling Downcycling.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen die \u201eInverkehrbringer\u201c von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Probleme konkret angehen, ohne &#8220;Vernebelungsaktionen&#8221; wie das Plastikverbot oder biobased. Mit der flexiblen Verpackungsinnnovation mit Werner &amp; Mertz (Marke Frosch) und dem DSD und Mondi haben wir ein Beispiel geschaffen, wie es gehen k\u00f6nnte. Werner &amp; Mertz versucht ja auch den Schulterschluss mit den Marktbegleitern, dies ist aber nicht so einfach wie sich zeigt. Innovationen k\u00f6nnen heute nur \u00fcber Netzwerke von Partnern geschaffen werden, denn es geht um Kreisl\u00e4ufe und einen holistischen Ansatz, das schafft man nicht allein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Welt ohne Plastik kann es nicht geben, wir verf\u00fcgen nicht \u00fcber ausreichende Rohstoffe. Verpackungen werden zukunftsf\u00e4hig sein f\u00fcr die kommenden Generationen, wir werden deren Sinnhaftigkeit wahrnehmen und sch\u00e4tzen, denn sie leisten einen Beitrag f\u00fcr unsere Gesellschaft. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie genau nehmen Sie es pers\u00f6nlich mit der M\u00fclltrennung? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann die M\u00fclltrennung ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie Sie wissen, bin ich Schweizer und wohne auch dort. Da bin ich in einem System eingebunden, aus dem ich nicht ausscheren kann. Die Schweiz ist Weltmeister im PET-Recyceln, ist Weltmeister im Abfall erzeugen (&gt;700 kg\/Person) und wir sind Weltmeister im Verbrennen. Und Cradle to Cradle kennt keinen Abfall, und Verbrennen ist &#8220;NoGo&#8221;. Vielleicht ist dies einer der Gr\u00fcnde, warum ich immer noch nach \u00fcber 25 Jahren f\u00fcr dieses Konzept versuche zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Frage: Was begeistert Sie au\u00dferhalb Ihres Berufes?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Partnerin ist eine begeisterte Golferin. Ich habe jetzt auch seit ein paar Jahren ein Handicap und verbringe entsprechend viel Zeit in der Natur und mit Freunden.<\/p>\n\n\n\n<p> <br><em>Albin K\u00e4lin ist Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der 2009 gegr\u00fcndeten EPEA  Switzerland GmbH. Er forciert Cradle to Cradle\u00ae Projekte in allen  Industrien im Alpenraum, insbesondere in der Schweiz und in \u00d6sterreich,  und entsprechend seiner Kernkompetenz in der Textilindustrie weltweit.<br> <br> Von 1981 bis 2004 war er Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Rohner Textil AG in der  Schweiz. Unter seiner Leitung gewinnt das Unternehmen seit den 90er  Jahren 19 internationale Auszeichnungen und Designpreise und \u00fcbernimmt  dadurch in \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Belangen eine weltweit  anerkannte Pionierrolle.<br> <br> Auf seine Initiative hin l\u00e4sst sich das Unternehmen 1996 nach ISO 14001  und EMAS zertifizieren. Zugleich regt er 1993 die Entwicklung der  Produktlinie Climatex\u00ae (www.climatex.com) und somit der ersten Cradle to  Cradle\u00ae Produkte weltweit an.<br> <br> Albin K\u00e4lin wird 2001 mit der UBS Key Trophy als Rheintaler Unternehmer des Jahres ausgezeichnet.<br> <br> Von 2005 bis Ende 2009 \u00fcbernimmt er die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg.<br> <br> Mit der Unterst\u00fctzung der Wissenschaftler betreibt er von 2007 an  zus\u00e4tzlich intensiv den Aufbau des Gesch\u00e4ftsfeldes Cradle to Cradle\u00ae in  den Niederlanden. Er \u00fcbernimmt auch dort das Mandat des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers  der 2008 gegr\u00fcndeten EPEA Nederland GmbH. Mit der Gr\u00fcndung der EPEA  Switzerland GmbH gab er die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung von EPEA in Hamburg und den  Niederlanden ab.<\/em><br> <br> <br> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ihrem Thema &#8220;Cradle to Cradle Design Innovationen &#8211; Rethinking the way me make things&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was werden Ihre Kernaussagen sein? Die Kreislauff\u00e4higkeit von Produkten ist bei den meisten leider nicht gegeben. 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