{"id":7245,"date":"2019-03-28T10:13:16","date_gmt":"2019-03-28T10:13:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7245"},"modified":"2019-04-04T12:47:13","modified_gmt":"2019-04-04T12:47:13","slug":"venkateshwaran-venkatachalam-ueber-biokunststoffe-und-ihre-nachhaltig-und-kreislauffaehigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/03\/28\/venkateshwaran-venkatachalam-ueber-biokunststoffe-und-ihre-nachhaltig-und-kreislauffaehigkeit\/","title":{"rendered":"Venkateshwaran Venkatachalam \u00fcber Biokunststoffe und ihre Nachhaltig- und Kreislauff\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Mit Ihrem Thema &#8220;Biokunststoffe &#8211; nachhaltig, fortschrittlich, kreislauff\u00e4hig?&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>a) Es gibt nicht den einen nachhaltigen Werkstoff und nicht die eine nachhaltige Verpackung. Jedes Produkt geh\u00f6rt auf den Pr\u00fcfstand. <\/p>\n\n\n\n<p>b) Nachhaltigkeit ist ein Drei-S\u00e4ulen-Prinzip, eine davon ist die \u00f6kobilanzielle Betrachtung.<\/p>\n\n\n\n<p>c) Biokunststoffe sind Kunststoffe, ob und wann sie nachhaltig sind, entscheidet ihre jeweilige Anwendung!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Biokunststoffe werden oft als Heilbringer f\u00fcr die Probleme der viel diskutierten Plastikkontamination unseres Planeten <\/em><\/strong> <br><strong><em>genannt <\/em><\/strong><strong><em>. Wie sch\u00e4tzen Sie das Potenzial der Biokunststoffe zur sinnvollen Substitution konventioneller Kunststoffe hinsichtlich Packmitteln ein? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>a) Grunds\u00e4tzlich vertritt das IfBB (Institut f\u00fcr Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe) nat\u00fcrlich die Auffassung, dass dort, wo es m\u00f6glich ist, an erster Stelle die Vermeidung stehen sollte. Substitution konventioneller Kunststoffe durch Biokunststoffe muss in jedem Einzelfall gepr\u00fcft werden, das Allheilmittel f\u00fcr unser \u201eVerm\u00fcllungsproblem\u201c kann nur unser Umgang mit M\u00fcll sein.&nbsp; F\u00fcr das Littern, also das unkontrollierte Entsorgen von M\u00fcll, sehen wir durchaus wirkungsvolle Einsatzbereiche f\u00fcr Biokunststoffe. Das IfBB befasst sich zunehmend auch mit dem Thema \u201eMarine Litter\u201c. Hier gilt es zu pr\u00fcfen, ob konventionelle Kunststoffe durch biobasierte, im marinen Bereich abbaubare Kunststoffe, ersetzt werden k\u00f6nnen. Der Forschungs- und Entwicklungsbereich ist allerdings noch gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>b) F\u00fcr die Verpackungen gilt, was auch f\u00fcr konventionelle Kunststoffe gilt: m\u00f6glichst umfangreiche Kaskadennutzung. Neue Verpackungen aus neuartigen (Bio)Kunststoffen bieten hier Potenziale. Und im Sinne der Nachhaltigkeitsbewertung kann der Rohstoff zur Herstellung des Kunststoffes durchaus entscheidend sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsm\u00fcll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa (zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg). Welche Besonderheit steckt Ihrer Meinung nach hinter dieser Zahl?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pers\u00f6nliche Meinung: Ver\u00e4ndertes Konsumentenverhalten, das sich an unserem hohen Lebensstandard orientiert, nun aber zu einem Problem wird mit dem Ergebnis, sich auf alt Bew\u00e4hrtes zu besinnen: Weg von Einweg, hin zu Mehrweg.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Verpackungsgesetz soll Verpackungsm\u00fcll reduzieren oder anders gesagt Packmittelnutzen verbessern. Wie sieht Ihre Empfehlung zu diesem Themenkomplex aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen uns bereits bei der Entwicklung von Verpackungen mit deren End-of-Life Optionen besch\u00e4ftigen. Mehr Monomaterialien, die ein sortenreines Recycling erlauben und damit Ressourcenschonung erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen \u201e5-Punkte-Plan\u201c mit Ma\u00dfnahmen f\u00fcr weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn Gurken in Folien eingeschwei\u00dft und Obst und Gem\u00fcse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Beh\u00e4lter an der Frischetheke erm\u00f6glicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich baut der Plan auf die EU-Strategie des vergangenen Jahres auf. Ein guter Ansatz aus Sicht des IfBB, dessen Auseinandersetzung mit dieser Strategie in einem Webinar (<a href=\"https:\/\/webconf.vc.dfn.de\/ph5e7wb6k6ac\/\">https:\/\/webconf.vc.dfn.de\/ph5e7wb6k6ac\/<\/a>) behandelt wurde. Und dennoch fehlt es nach wie vor an sachlicher Aufkl\u00e4rung auf vielen Ebenen. Aus diesem Grund widmet sich das IfBB als Forschungseinrichtung vermehrt der \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Kommunikation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ist Recycling f\u00fcr Sie der richtige Weg raus aus der Packmittel-Diskussion?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das IfBB verfolgt auch f\u00fcr Biokunststoffe den Ansatz des Recyclings. M\u00fclltrennung und -aufbereitung sind der richtige Ansatz f\u00fcr eine gelungene Kreislaufwirtschaft. M\u00fcll ist hierzulande ein wichtiger \u201eRohstoff\u201c und sollte der Wiederverwertung zugef\u00fchrt werden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen die \u201eInverkehrbringer\u201c von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie m\u00fcssen die Verpackungen unmissverst\u00e4ndlich mit Informationen kennzeichnen, die dem Verbraucher aufzeigen, wie er den M\u00fcll trennen muss, damit \u201eFehlw\u00fcrfe\u201c weitestgehend reduziert werden und reine Stoffstr\u00f6me entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Utopie ist, dass wir Marker f\u00fcr intelligente Verpackungen entwickeln. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie genau nehmen Sie es pers\u00f6nlich mit der M\u00fclltrennung? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann die M\u00fclltrennung ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich achte pers\u00f6nlich sehr darauf, M\u00fcll richtig zu trennen und halte dies f\u00fcr besonders wichtig. Ich muss aber feststellen, dass allein aufgrund von Multilayer-Verpackungen eine sortenreine Trennung oft nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Frage: Was begeistert Sie au\u00dferhalb Ihres Berufes?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferhalb meines Berufs bin ich begeistert von Kunst aus verschiedenen Kulturen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Venkateshwaran Venkatachalam (M.Sc.), geboren 1989, studierte zun\u00e4chst Chemieingenieurwesen und arbeitete zwei Jahre als Prozessingenieur bei einem Aluminiumhersteller in Indien.&nbsp; Danach machte er seinen Master in Umwelt- und Verfahrenstechnik mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Abfallwirtschaft an der Universit\u00e4t Stuttgart. Seine Masterarbeit befasst sich mit der \u00d6kobilanzierung von Autobauteilen aus biobasierten Kunststoffen bei Contitech, Hannover. Seit 2016 arbeitet er f\u00fcr das Institut f\u00fcr Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) an der Hochschule Hannover als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er ist dort zust\u00e4ndig f\u00fcr die Nachhaltigkeitsbewertung von Biokunststoffen und Bioverbundwerkstoffen. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ihrem Thema &#8220;Biokunststoffe &#8211; nachhaltig, fortschrittlich, kreislauff\u00e4hig?&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein? a) Es gibt nicht den einen nachhaltigen Werkstoff und nicht die eine nachhaltige Verpackung. 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