{"id":7324,"date":"2019-04-17T13:01:11","date_gmt":"2019-04-17T13:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7324"},"modified":"2019-04-30T08:48:30","modified_gmt":"2019-04-30T08:48:30","slug":"frau-dr-sabine-amberg-schwarz-ueber-beschichtungskonzepte-fuer-kompostierbare-verpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/04\/17\/frau-dr-sabine-amberg-schwarz-ueber-beschichtungskonzepte-fuer-kompostierbare-verpackungen\/","title":{"rendered":"Frau Dr. Sabine Amberg-Schwab \u00fcber Beschichtungskonzepte f\u00fcr kompostierbare Verpackungen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Mit Ihrem Thema &#8220;Beschichtungskonzepte f\u00fcr leicht recycelbare oder kompostierbare Verpackungen&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde unsere bioORMOCER\u00ae-Technologie vorstellen und die Chancen f\u00fcr die Verpackungsindustrie, die sich daraus ergeben &#8211; gerade vor dem Hintergrund des neuen Verpackungsgesetzes. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Kunststoffverpackung dient in erster Linie dem Produktschutz und beugt somit Lebensmittelverschwendung vor. Trotzdem tendieren Medien und auch die \u00f6ffentliche Meinung in j\u00fcngster Vergangenheit immer mehr zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bem\u00e4ngelt. Wie sch\u00e4tzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verh\u00e4ltnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein? <\/em><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Verpackungen sind und werden gerade im Frischebereich nicht zu ersetzen sein. Weite Teile der Bev\u00f6lkerung haben sich daran gew\u00f6hnt, frische Nudelzubereitungen, frischen K\u00e4se, frische Wurst, frisches Fleisch  jederzeit einkaufen zu k\u00f6nnen. Das geht nicht ohne Hochleistungsverpackungen, denn nicht \u00fcberall sind Frischetheken mit Bedienpersonal vorhanden. Oder denken Sie an Kaffee &#8211; ohne Aromaschutzpackungen h\u00e4lt sich dieser nicht. <br>Es gibt aber andere Bereiche, wo Verpackungen \u00fcberfl\u00fcssig sind oder deutlich minimiert werden k\u00f6nnten. Und schlie\u00dflich liegt es an jedem selbst zu entscheiden, welche Produkte und welche Verpackungen er damit einkauft. Die Menschen selbst sind daf\u00fcr verantwortlich, was sie einkaufen und wie sie mit Verpackungen am Ende umgehen. Keine Verpackung landet von allein in der Umwelt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsm\u00fcll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa (zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg). Welche Besonderheit steckt Ihrer Meinung nach hinter dieser Zahl? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland wird in der Tat viel verpackt, To-go und Convenience \u00fcberall, da gibt es eine Menge zu ver\u00e4ndern. Verbraucher und Industrie m\u00fcssen sich umstellen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Verpackungsgesetz soll Verpackungsm\u00fcll reduzieren oder anders gesagt, Packmittelnutzen verbessern. Wie sieht Ihre Empfehlung zu diesem Themenkomplex aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kein Gesetz reduziert den Verpackungsm\u00fcll; auch hier sind die Hersteller gefragt, dort, wo es sinnvoll ist, auf Verpackungen per se zu verzichten. Die notwendigen Verpackungen m\u00fcssen dann aus leicht recycelbaren Materialien sein, die nicht verbrannt, sondern wirklich wiederaufbereitet werden k\u00f6nnen. Dahinter stehen aber sehr komplexe Prozesse, das ist nicht mit einfachen Antworten zu regeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen \u201e5-Punkte-Plan\u201c mit Ma\u00dfnahmen f\u00fcr weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn Gurken in Folien eingeschwei\u00dft und Obst und Gem\u00fcse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. Unter anderem soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Beh\u00e4lter an der Frischetheke erm\u00f6glicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier gilt meines Erachtens: Der Verbraucher hat es in der Hand und muss sich fragen, ob er wirklich verpackte Gurken oder andere Gem\u00fcse\/Obst kaufen will. Folienverpackungen werden ja auch h\u00e4ufig eingesetzt, um Bioprodukte von konventionellen unterscheidbar zu machen. Dar\u00fcber l\u00e4sst sich diskutieren und inzwischen gibt es ja schon L\u00f6sungen, die diese Art von Verpackungen vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ist Recycling f\u00fcr Sie der richtige Weg raus aus der Packmittel-Diskussion?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch das kann man nicht so einfach beantworten. Recycling ist ein Weg, aber grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen verschiedene Modelle entwickelt werden, um zu sinnvollen \u00f6kologischen und \u00f6konomischen L\u00f6sungen zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen die \u201eInverkehrbringer\u201c von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meines Erachtens sollten sie endlich bei den Verpackungsherstellern die technischen L\u00f6sungen einfordern, die bereits jetzt vorhanden sind, wie z. B. unsere bioORMOCER\u00ae-Technologie. Die ist reif f\u00fcr den industriellen Prozess. Und es fehlt eine gute Aufkl\u00e4rungskampagne, die den Verbraucher dar\u00fcber informiert, dass Verpackungen komplexe Hochleistungsmaterialien sind &#8211; eigentlich viel zu schade zum Wegwerfen. Damit lie\u00dfe sich auch ein Umdenken bei den Menschen erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was denken Sie, wie wir in 20 Jahren einkaufen? Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> Ich hoffe, dass wir dann wirklich \u00fcber kompostierbare und einfach zu recycelnde Verpackungen sprechen. Das sollte in 10 Jahren Standard sein. Und ich hoffe, dass die To-go-Welle bis dahin wieder abgeflacht ist, denn allein dadurch werden gigantische Mengen an Verpackungsm\u00fcll produziert, der vermeidbar w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Und wie sieht die f\u00fcr Sie aus?<\/em><\/strong><br> Ja, nat\u00fcrlich. Da wo es m\u00f6glich ist, vermeide ich Verpackungen, kaufe loses Obst und Gem\u00fcse und verzichte auf Convience.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie genau nehmen Sie es pers\u00f6nlich mit der M\u00fclltrennung? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann die M\u00fclltrennung ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fclltrennung ist inzwischen in \u201eFleisch und Blut\u201c \u00fcbergegangen, schon in der K\u00fcche stehen verschiedene Beh\u00e4lter. Die Trennung halte ich f\u00fcr sinnvoll, damit in Sortieranlagen leichter Rohstoffe heraussortiert und zu neuen Sekund\u00e4rmaterialien aufgearbeitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Frage: Was begeistert Sie au\u00dferhalb Ihres Berufes?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oh, da gibt es eine Menge, ich bin ein naturverbundener Mensch und gern drau\u00dfen, wenn es meine Zeit zul\u00e4sst. Ich betreibe au\u00dferdem gern Sport und spiele Schlagzeug. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Sabine Amberg-Schwab hat an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t in W\u00fcrzburg Biologie und Chemie studiert und ihre Promotion am Institut f\u00fcr Anorganische Chemie an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg absolviert. Danach begann sie, am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Silicatforschung ISC als Wissenschaftlerin an der Entwicklung neuer Beschichtungsmaterialien, vor allem im Bereich funktioneller Beschichtungsmaterialien auf der Basis von anorganisch-organischen Hybridpolymeren (ORMOCER\uf0e2e) zu arbeiten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie ist Leiterin der Abteilung \u201eFunktionelle Barriereschichten\u201c am Fraunhofer ISC.<br> In den letzten Jahren haben besonders die Hybridpolymere (ORMOCER\uf0e2e) mit Barrierewirkung gegen\u00fcber Gasen, Wasserdampf und Aromastoffen von sich reden gemacht. Diese ORMOCER\uf0e2e k\u00f6nnen f\u00fcr komplexe Spezialanforderungen im Verpackungsbereich angepasst werden.<br> Frau Dr. Amberg-Schwab und ihr Team haben die Materialklasse der Hybridpolymere weiterentwickelt zu den bioORMOCER\uf0e2en, die sich durch Bio-Abbaubarkeit, exzellente Barrierewirkung und weitere funktionelle Eigenschaften auszeichnen.<br> F\u00fcr ihre Entwicklungsarbeiten im Bereich der antimikrobiellen Beschichtungen erhielt sie 2005 den ICE Preis (International Coating Exhibition).<br> Im Jahr 2011 konnte sie den Fraunhofer-Preis f\u00fcr ihre Entwicklungsarbeiten zu low-cost Barrierefolien f\u00fcr die Verkapselung von Solarzellen entgegennehmen. Dieser Preis wird seit 1978 j\u00e4hrlich von der Fraunhofer-Gesellschaft f\u00fcr herausragende wissenschaftliche Leistungen an Fraunhofer-Mitarbeitende verliehen, die zur anwendungsorientierten Probleml\u00f6sung f\u00fchrten.<br>2018 hat sie den \u201eNew Plastics Innovation Prize\u201c der Ellen-MacArthur-Foundation f\u00fcr die Entwicklung der bioORMOCER\uf0e2e gewonnen, der ihr am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos in der Kategorie Circular Materials Challenge verliehen wurde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em><br><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ihrem Thema &#8220;Beschichtungskonzepte f\u00fcr leicht recycelbare oder kompostierbare Verpackungen&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein? 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