{"id":7329,"date":"2019-04-18T12:25:13","date_gmt":"2019-04-18T12:25:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7329"},"modified":"2019-04-25T09:46:47","modified_gmt":"2019-04-25T09:46:47","slug":"julia-botos-zur-gesamtheitlichen-betrachtung-der-verpackung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/04\/18\/julia-botos-zur-gesamtheitlichen-betrachtung-der-verpackung\/","title":{"rendered":"Julia Botos zur gesamtheitlichen Betrachtung der Verpackung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Mit Ihrem Thema &#8220;Ressourceneffizienz durch optimierte Transportverpackungssysteme&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Vortrag wird aufgezeigt, wie wichtig die gesamtheitliche Betrachtung der Verpackung im Logistikprozess ist. Dabei ist es besonders wichtig, Prim\u00e4r-, Sekund\u00e4r- und Terti\u00e4rverpackungen aufeinander abzustimmen und zu optimieren. Auf diese Weise k\u00f6nnen \u00fcber die Wertsch\u00f6pfungskette der Produkte hinweg Ressourcen eingespart und die Umwelt vor sch\u00e4dlichen Belastungen gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ihr Titel klingt nach einem Mehr an Verpackungen zum Schutze des F\u00fcllgutes. Wie passt das in die heutige Zeit des Verpackungs-Bashings?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der sichere Warentransport ist nicht zwangsl\u00e4ufig mit einem Mehr an\nVerpackungen verbunden. Mit dem Wissen um vorherrschende Bedingungen w\u00e4hrend\ndes Transportes kann die Verpackung so effizient und ressourcenschonend wie\nm\u00f6glich ausgelegt werden. Auch die Art und Weise der Platzierung des Packguts\nauf dem Transportmittel spielt dabei eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Kunststoffverpackung dient in erster Linie dem Produktschutz und beugt somit Lebensmittelverschwendung vor. Trotzdem tendieren Medien und auch die \u00f6ffentliche Meinung in j\u00fcngster Vergangenheit immer mehr zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bem\u00e4ngelt. Wie sch\u00e4tzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verh\u00e4ltnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir das Umweltrisiko aus einer anderen Perspektive betrachten, geht es nicht nur um den Produktschutz, sondern auch um den Schutz von Mensch und Umwelt. Zum Beispiel k\u00f6nnen durch havarierte Verpackungen Chemikalien ins Erdreich gelangen. Es gibt auch Verkehrsunf\u00e4lle, bei denen eine mangelnde Verpackung zu schwerverletzten Personen gef\u00fchrt hat. Dies f\u00fchrt hin bis zu Unf\u00e4llen mit Todesfolge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Verpackungsgesetz soll Verpackungsm\u00fcll reduzieren oder anders gesagt Packmittelnutzen verbessern. Wie sieht Ihre Empfehlung zu diesem Themenkomplex aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind auch der Meinung, dass durch eine durchdachte Entwicklung der Einsatz von Verpackungen effizienter und ressourcenschonender m\u00f6glich ist. Bei der Entwicklung ist es wichtig, \u00fcber den Tellerrand hinaus zu schauen und nicht nur die Einzelverpackung zu betrachten. Der Fokus sollte dabei auf der Betrachtung von ganzheitlichen Verpackungsprozessen liegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen \u201e5-Punkte-Plan\u201c mit Ma\u00dfnahmen f\u00fcr weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn Gurken in Folien eingeschwei\u00dft und Obst und Gem\u00fcse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Beh\u00e4lter an der Frischetheke erm\u00f6glicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist der Gedanke von Bundesumweltministerin Svenja Schulze aus Sicht des Verbrauchers erst einmal nachzuvollziehen. Wichtig bei solchen Grundsatzentscheidungen ist es jedoch, die komplette Prozess- und Lieferkette von Produkten zu begutachten. Ist es zum Beispiel logistisch m\u00f6glich, dass die Produkte ohne Verpackung in die Superm\u00e4rkte und somit zum Endverbraucher transportiert werden k\u00f6nnen? Ich denke, dass gesetzliche Ma\u00dfnahmen der falsche Weg sind. Es ist viel entscheidender, dass sich die Verpackungsproduzenten mit den Handelsketten und den Endverbrauchern austauschen und die jeweiligen Bed\u00fcrfnisse ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ist Recycling f\u00fcr Sie der richtige Weg raus der Packmittel-Diskussion?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema Recycling spielt gerade bei Packmitteln eine gro\u00dfe Rolle. Vermutlich wird der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen aufgrund der Ressourcenvorkommnisse nicht f\u00fcr die komplette Verpackungsindustrie m\u00f6glich sein. Wichtig ist deshalb der Einsatz von Monomaterialien, die sich besonders gut dem Recyclingprozess zuf\u00fchren lassen. Die DUO PLAST hat ihren Fokus daher auf die Herstellung von Blasfolien aus LLDPE fokussiert, dabei wird insbesondere auf den Zusatz von PIB verzichtet. \u00dcberdies sind unsere Blasfolien 100 % recyclef\u00e4hig, durch weitere Investitionen in unsere Recyclingkapazit\u00e4ten in 2019 k\u00f6nnen wir den gesteigerten Nachfragen im Markt folgen. Damit k\u00f6nnen wir den Einsatz und die Qualit\u00e4t von Recyclaten stetig steigern; wichtig dabei ist die Balance mit neuen Rohstoffen, um die Ladeeinheitenstabilit\u00e4t nicht zu gef\u00e4hrden. Des Weiteren sehen wir mit Interesse der Entwicklung von Post Consumer Recycling (PCR) entgegen, damit sich auch in diesem Bereich die Qualit\u00e4t steigert, um diese breiter in unseren Folien einzusetzen. Entsprechend interpretieren wir, dass Recycling in Zukunft einen wichtigen Teil in der Packmittel-Diskussion einnehmen wird. Weitere Treiber dazu sind Brand-Owners und Retailers (Supermarktketten).<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen die \u201eInverkehrbringer\u201c von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist dar\u00fcber nachzudenken, ob es\neine M\u00f6glichkeit gibt, die Verpackungen einem geregelten Werkstoffkreislauf\nzuzuf\u00fchren. Die zur\u00fcckgef\u00fchrten Verpackungen k\u00f6nnen auf diese Weise wieder dem\nHerstellungsprozess sortenrein zugef\u00fchrt werden. Ich bin der Meinung, dass es\nwichtig ist, nicht nur jeden einzelnen Teil der Verpackung, sondern die\nVerpackungskomponenten bis zum Endeinsatz beim Kunden zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was denken Sie, wie wir in 20 Jahren einkaufen? Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist, ob wir in 20 Jahren \u00fcberhaupt noch klassische Superm\u00e4rkte zum Einkaufen vorfinden. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier die Logistikprozesse sehr stark \u00e4ndern werden. Ich denke, wir werden zwei unterschiedliche Varianten vorfinden. Zum einen die Erlebnism\u00e4rkte, in denen der Kunde nicht nur einkaufen geht, sondern auch \u201eunterhalten\u201c wird. Hier wird interaktives Einkaufen gro\u00df geschrieben. Zum anderen, dass der Einkaufsvorgang vermehrt digital erfolgen wird. Die Menschen wollen die Freizeit, welche sie neben ihrem Berufsalltag erleben, nicht in Superm\u00e4rkten verbringen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kunden ihre Bestellung zum Beispiel in der Mittagspause digital aufgeben und der Lieferservice die Waren nach Hause liefert und direkt in der K\u00fcche bzw. dem K\u00fchlschrank verstaut. In diesem Fall m\u00fcssen die Verpackungen nicht mehr marketinggetrieben entwickelt werden, da der Kunde nicht mehr die Qual der Wahl am Supermarktregal hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Und wie sieht die f\u00fcr Sie aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich pers\u00f6nlich gehe seit Jahren mit meiner Tragetasche aus Stoff zum Einkaufen. Zudem achte ich auf regionale und saisonale Produkte. Da ich meine Lebensmittel nach einem Wochenplan einkaufe und frisch zubereite, ist eine Verpackung, die f\u00fcr eine l\u00e4ngere Haltbarkeit sorgt, f\u00fcr mich nicht ausschlaggebend, da die von mir bezogenen Lebensmittel in der Regel zeitnah verbraucht werden. Gerade beim Obst und Gem\u00fcse k\u00f6nnte meiner Meinung nach auf die eine oder andere Verpackung verzichtet werden. Da die Lebensmittel grunds\u00e4tzlich nochmal gewaschen bzw. erhitzt werden, ist auch das Thema Hygiene durch den Kontakt mit anderen Kunden f\u00fcr mich zweitrangig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Frage: Was begeistert Sie au\u00dferhalb Ihres Berufes?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ehrenamtlich in der Jugendarbeit t\u00e4tig. F\u00fcr mich ist es besonders wichtig, die Kinder und Jugendlichen bei ihrem Werdegang zu begleiten und ihnen ein eigenverantwortliches Handeln zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p> Julia Botos (Dipl.-Ing.) studierte Kunststoff- und  Elastomertechnik an der Fachhochschule W\u00fcrzburg-Schweinfurt. Ihre  Diplomarbeit befasste sich mit der beschleunigten Entwicklung von  Barrierefolien mittels eines Atline-Permeations-Messger\u00e4tes im  Kunststoff-Zentrum (SKZ) in W\u00fcrzburg. Dort arbeitete sie von 2011 bis 2016 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gesch\u00e4ftsfeld Messtechnik der Forschung und Entwicklung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im  Bereich der Farb- und Permeationsmessung von Kunststoffen.<br>Seit 2016 arbeitet sie bei der DUO PLAST. Sie leitet dort das  Technologiezentrum f\u00fcr die Pr\u00fcfung und Optimierung von Verpackungen f\u00fcr  den Warentransport. <\/p>\n\n\n\n<p>Am liebsten besch\u00e4ftigt sie sich mit Verpackungsoptimierung.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ihrem Thema &#8220;Ressourceneffizienz durch optimierte Transportverpackungssysteme&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein? In diesem Vortrag wird aufgezeigt, wie wichtig die gesamtheitliche Betrachtung der Verpackung im Logistikprozess ist. 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