{"id":7341,"date":"2019-04-25T10:26:00","date_gmt":"2019-04-25T10:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7341"},"modified":"2019-04-30T08:04:45","modified_gmt":"2019-04-30T08:04:45","slug":"dieter-hauser-ueber-den-einfluss-von-marketing-tools-auf-die-kreislaufwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/04\/25\/dieter-hauser-ueber-den-einfluss-von-marketing-tools-auf-die-kreislaufwirtschaft\/","title":{"rendered":"Dieter Hauser \u00fcber den Einfluss von Marketing-Tools auf die Kreislaufwirtschaft"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Mit Ihrem Thema &#8220;Wer gewinnt &#8211; Nachhaltigkeit oder Profit?&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich beleuchte das Spannungsfeld zwischen Umweltaspekten und wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Die Motivation der Konsumenten als zentrale Grundlage von Planung und Entwicklung. Die Komplexit\u00e4t der Thematik und ihre \u00dcberforderung der normalen Verbraucher. Die Behandlung von Umwelt-Themen als Marketing-Tools und deren Vermittlung auf der Gef\u00fchls-Ebene. Deren Einfluss auf die Kreislaufwirtschaft der Vergangenheit und deren Fortgang in der Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Kunststoffverpackung dient in erster Linie dem Produktschutz und beugt somit Lebensmittelverschwendung vor. Trotzdem tendieren Medien und auch die \u00f6ffentliche Meinung in j\u00fcngster Vergangenheit immer mehr zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bem\u00e4ngelt. Wie sch\u00e4tzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verh\u00e4ltnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich glaube ich, dass die negative Darstellung viel zu pauschal, viel zu simpel ist. Kein Produzent wird ohne Not und schon unter Kostenaspekten wesentlich mehr Verpackung produzieren als f\u00fcr ein Produkt n\u00f6tig. Dabei schlie\u00dfe ich verkaufsf\u00f6rdernde Aspekte ausdr\u00fccklich mit ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere Kunststoffverpackungen tragen in hohem Ma\u00dfe dazu bei, Lebensmittel l\u00e4nger haltbar zu machen. Sie haben einen gro\u00dfen Anteil an der Eind\u00e4mmung von Lebensmittel-Abfall. Zu schnell verderbende Ware w\u00fcrde noch schneller Negativberichte provozieren, man w\u00fcrde die Hersteller an ihre Verantwortung erinnern &#8211; die sie ja wahrnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsm\u00fcll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa (zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg). Welche Besonderheit steckt Ihrer Meinung nach hinter dieser Zahl?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Sicherheit gibt es nicht nur eine Ursache hierf\u00fcr. Ich vermute zum einen das \u00fcbersteigerte Hygienebed\u00fcrfnis der Deutschen bei Lebensmitteln. Zum anderen werden nach meinem Wissen z. B. im Lebensmittelbereich mehr abgepackte Waren gekauft im Vergleich beispielsweise zu Frankreich. Zum Dritten vermute ich die \u00fcberbordenden Vorgaben der deutschen B\u00fcrokratie, nicht nur bei Lebensmitteln. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie sagen, dass die Verpackungsvermeidung noch nicht mit den dualen Systemen geklappt hat. Woran liegt das und was m\u00fcssen wir daf\u00fcr aus Sicht eines Designers besser machen? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt u. a. am menschlichen Wesen und unseren Motivationen. Wenn wir glauben &#8211; und das wurde im Prinzip so vermittelt &#8211; mit dem dualen System sei das Grundproblem angegangen: warum sollten wir unser Verhalten \u00e4ndern?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Designer-Sicht m\u00fcssen wir versuchen,\numweltfreundlichere Prozesse einzusetzen oder zumindest zu unterst\u00fctzen. Viele\nkleine Schritte helfen mehr und schneller als die gro\u00dfe Suche nach der\nallumfassenden L\u00f6sung. Dazu m\u00fcssen wir uns informieren und Kontakt suchen zu\nden Spezialisten. Denn Designer selbst verstehen naturgem\u00e4\u00df meist zu wenig von\nWerkstoffen im Detail.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen \u201e5-Punkte-Plan\u201c mit Ma\u00dfnahmen f\u00fcr weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn Gurken in Folien eingeschwei\u00dft und Obst und Gem\u00fcse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Beh\u00e4lter an der Frischetheke erm\u00f6glicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das scheint mir zu populistisch und undurchdacht. Wie weit \u201ekein Verst\u00e4ndnis\u201c ausreichend ist, wurde schon zu oft bewiesen, und es sollte nicht wieder ein unausgegorenes Gesetz vom Zaun gebrochen werden. Unverpackte Ware klingt oberfl\u00e4chlich toll, wird aber nicht das Allheilmittel in gro\u00dfen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen sein. Es klingt mehr nach dem Versuch einer simplen Antwort auf hochkomplexe Fragen. Die kann es aber nicht geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen die \u201eInverkehrbringer\u201c von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Information, Aufkl\u00e4rung, und das am besten sachlich und verst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Leuchtturm-Beispiele sollten und d\u00fcrfen aber Marketing betreiben, das vermutlich genauso viel bewirkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was denken Sie, wie wir in 20 Jahren einkaufen? Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich hierauf die richtige Antwort\nw\u00fcsste, w\u00e4re ich vermutlich einer der bestbezahlten Berater der Welt \ud83d\ude0a Aber ich habe einen Traum, wohin die Entwicklung f\u00fchren\nsoll: Dass Verpackungen in all ihren Facetten nicht mehr M\u00fcll sein werden,\nsondern Rohstoff oder Kompost. Ganz nach dem Cradle to Cradle Prinzip.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Und wie sieht die f\u00fcr Sie aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das tue ich! Sie sollte nicht mehr sein\nals n\u00f6tig, unter allen Gesichtspunkten. Gutes alltagstaugliches Handling ist\nwichtig. Wichtig ist aber auch: sie soll und darf Spa\u00df machen! <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie genau nehmen Sie es pers\u00f6nlich mit der M\u00fclltrennung? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann die M\u00fclltrennung ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir geh\u00f6ren zu den typisch deutschen M\u00fcll-Trennern, zum Teil bin ich schon fast pedantisch. Grunds\u00e4tzlich sehe ich das als eine positive Besch\u00e4ftigung mit dem Thema, die Bewusstsein schafft und sch\u00e4rft. Leider wird es mir und anderen zunehmend schwerer gemacht, an das Gute daran zu glauben. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Frage: Was begeistert Sie au\u00dferhalb Ihres Berufes?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Frau und meine Familie, gutes Essen und Trinken, Reisen und \u2026 Musik, selbst gemacht. Ich spiele schon eine ganze Weile Schlagzeug und kann es nicht sein lassen, das ist wie eine Sucht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieter Hauser (Dipl.-Designer) studierte Kommunikations-Design an der FH in Trier. Im Sommer 1986, direkt im Anschluss an das Studium, machte er sich selbstst\u00e4ndig. Die ersten 6 Monate arbeitete er tags\u00fcber als  &#8220;fester freier Mitarbeiter&#8221; in der damals gr\u00f6\u00dften Werbeagentur in Trier,  abends in seiner eigenen Agentur HS Design, zu Beginn eine  1-Mann-Firma. Bereits im Fr\u00fchjahr 1987 bearbeitete er die ersten  Auftr\u00e4ge im Bereich Packungs-Design und POS-Materialien f\u00fcr einen Tabak-  und Zigaretten-Produzenten. Dieses Unternehmen ist bis heute  ununterbrochen Kunde von HS Design. Viele weitere Kunden werden schon  seit 15 bis 20 Jahren betreut. HS Design ist heute ein Team von 8  fest angestellten Mitarbeitern, 2 Freelancer unterst\u00fctzen bei Bedarf das Team. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ihrem Thema &#8220;Wer gewinnt &#8211; Nachhaltigkeit oder Profit?&#8221; leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung im Mai in W\u00fcrzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein? Ich beleuchte das Spannungsfeld zwischen Umweltaspekten und wirtschaftlichen Notwendigkeiten. 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