{"id":7465,"date":"2019-07-11T12:05:18","date_gmt":"2019-07-11T12:05:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7465"},"modified":"2019-07-15T09:35:02","modified_gmt":"2019-07-15T09:35:02","slug":"dr-antje-harling-ueber-papier-in-lebensmittelverpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/07\/11\/dr-antje-harling-ueber-papier-in-lebensmittelverpackungen\/","title":{"rendered":"Dr. Antje Harling \u00fcber Papier in Lebensmittelverpackungen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst und wie genau befassen Sie sich beruflich mit der Bewertung von Lebensmittelkontaktmaterialien?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Gesch\u00e4ftsbereichsleiterin der Division \u201eMaterialpr\u00fcfung und Analytik\u201c an der Papiertechnischen Stiftung (PTS) spielen gesetzliche Anforderungen an Verpackungen eine wichtige Rolle. In vielf\u00e4ltiger Art und Weise \u00fcberpr\u00fcfen wir bilaterale Verpackungsspezifikationen von Kunden und Lieferanten (z. B. physikalische Kennwerte), bewerten die Rezyklierbarkeit von faserbasierten Verpackungsl\u00f6sungen und analysieren und bewerten die gesetzlichen Anforderungen f\u00fcr Lebensmittelkontaktmaterialien. Auch im Bereich Weiterbildung sind wir an der PTS durch Workshops zur Konformit\u00e4tsarbeit von Papier, individuelle Inhouse-Schulungen f\u00fcr Firmen, Fachtagungen zu lebensmittelrechtlichen Entwicklungen, Auswahl von Altpapierqualit\u00e4ten und Entwicklung von neuartigen faserbasierten Verpackungen t\u00e4glich mit gesetzlichen Anforderungen konfrontiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sollten die Beh\u00f6rden l\u00e4nder\u00fcbergreifend kooperieren, um im Gesetzesdschungel mehr Sicherheit und mehr Einheitlichkeit f\u00fcr die Inverkehrbringer zu schaffen? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Vollzug der lebensmittelrechtlichen \u00dcberwachung ist in Deutschland Aufgabe der unteren Lebensmittel\u00fcberwachungsbeh\u00f6rden auf kommunaler Ebene. Damit erhalten wir im ung\u00fcnstigsten Fall mehr als 400 Interpretationen der Anforderungen f\u00fcr Inverkehrbringer von Lebensmittelkontaktmaterialien. W\u00fcnschenswert w\u00e4re ein einheitlicher Anforderungskatalog f\u00fcr Verpackungen. Da es sich beim FCM-Recht um Spezialrecht handelt, w\u00e4re eine bundeseinheitliche Zentral-Beh\u00f6rde &#8211; ggf. sogar auf EU-Ebene &#8211; w\u00fcnschenswert, welche die FCM-Anforderungen inklusive GMP-Definition f\u00fcr alle Inverkehrbringer einheitlich definierte und den Vollzug harmonisiert durchf\u00fchrte. Im F\u00f6deralismus ist diese Vorstellung jedoch wohl Utopie. Auch sollte sich verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln und die Investition in ein funktionierendes Qualit\u00e4tssystem finanziell f\u00fcr die Unternehmen im Wettbewerb rentieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welcher Bereich sollte aus Ihrer Sicht vom Gesetzgeber dringend geregelt werden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcnschen w\u00fcrde ich mir eine EU einheitliche Regelung f\u00fcr Paper &amp; Board im Lebensmittelkontakt sowie Vorgaben f\u00fcr MMML Artikel mit Papier-Bestandteilen, inklusive Vorschriften zur Pr\u00fcfung von Migrationen \/ SML \/ Restgehalten. Im Dschungel verschiedener Papier-Regulierungen der Einzelstaaten (D, NL, F, I, Skandinavien, &#8230;) sowie unrealistischer Immersions-Pr\u00fcfungen beschichteter Papiere finden sich derzeit nur noch ausgewiesene Experten zurecht. Der Bereich der FCM-Druckfarben sollte auf EU-Ebene harmonisiert geregelt werden, und die Mineral\u00f6l-Kohlenwasserstoff-Problematik sollte aus der unzul\u00e4ssig einschr\u00e4nkenden FCM-Betrachtung herausgel\u00f6st werden und Eingang in EU-Kontaminanten-Regulierungen finden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die gesetzlichen Vorgaben werden immer strenger. Welche Konsequenzen kann das f\u00fcr Zulieferer und Hersteller, aber auch f\u00fcr die Verbraucher haben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gesetzlichen Vorgaben werden immer komplexer und un\u00fcbersichtlicher. F\u00fcr Unternehmen bedeutet dieses einen hohen Schulungs- und personellen Aufwand, um Up-to-Date zu bleiben. Auch globale Regulierungen (z. B. China \/ Asien) gewinnen zunehmend an Bedeutung und erh\u00f6hen die Komplexit\u00e4t weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sch\u00e4tzen Sie grunds\u00e4tzlich das Risiko nicht gelisteter Substanzen ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Vergangenheit zeigten viele Beispiele, dass unter den nicht gelisteten Substanzen (z. B. Druckfarben-Bestandteile wie Photoinitiatoren, Abbau- und Reaktionsprodukte wie paA etc.) Subtanzen zu finden sind, die von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden als sehr kritisch bewertet wurden. Die Unternehmer haben h\u00e4ufig nicht die volle Kenntnis der Rezepturen und so ist Vorhersage von \u201epredictable NIAS\u201c und somit die Risikobewertung ziemlich schwierig. Das Risiko \u201eungelisteter\u201c Substanzen sch\u00e4tze ich daher relativ hoch ein, da unter den zuvor unbekannten Substanzen immer wieder auch als CMR eingestufte Stoffe zu finden sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wo sehen Sie momentan f\u00fcr Packmittelhersteller besonderen Handlungsbedarf? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Packmittelhersteller m\u00fcssen aufgrund gesetzlicher Entwicklungen wie dem Verpackungs-Gesetz oder auch der EU Single-Use Plastics Directive derzeit die steigenden Anfragen nach nachhaltigen Produkten und Rezyklierbarkeit bedienen. Hier sollte bereits zu Beginn der Produktentwicklung ein ganzheitlicher Ansatz gedacht werden und eng mit den sp\u00e4teren Anwendern zusammengearbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sch\u00e4tzen Sie grunds\u00e4tzlich die Bedeutung von Grenzwerten, z. B. f\u00fcr spezifische Migrationslimits (SML), ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>SML sind ein wichtiges Instrument zur Begrenzung von bekannten Migrationen. Verl\u00e4sslich als Verbraucherschutz-Instrument sind sie indes nur, wenn die ihnen zugrundeliegende Sicherheitsbewertung valide ist. F\u00fcr einige \u201ehistorische\u201c SML (z. B. der Kunststoff-Regulierung) ist das nicht zwingend gegeben. W\u00fcnschenswert w\u00e4re zu den jeweiligen SML auch eine analytische Methodensammlung zur \u00dcberpr\u00fcfung dieser Werte &#8211; diese Informationen sind f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit derzeit nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Es werden wieder zunehmend Papier und Karton f\u00fcr Lebensmittelverpackungen eingesetzt und diese k\u00f6nnten Plastik verdr\u00e4ngen. Ist das aus Ihrer Sicht auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit ein richtiger Trend? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Papiere und Kartone sind hinsichtlich der erzeugbaren Verpackungs-Eigenschaften wahnsinnig vielf\u00e4ltig gestaltbar. Als Produkte aus \u00fcberwiegend nachwachsenden Rohstoffen sind sie zudem hinsichtlich Nachhaltigkeit und mit einem in Deutschland sehr gut funktionierendem Sammel- und Recyclingstrom als Verpackungsmaterial sehr gut aufgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Vielen Dank  f\u00fcr das Interview, <\/em><\/strong><strong><em>Frau Dr. Harling<\/em><\/strong><strong><em>. <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach dem Studium der Lebensmittelchemie promovierte Frau Harling an der  TU Braunschweig zum Thema \u201eAlkenylether von Glucose und Dextran als  reaktive Intermediate\u201c. <br>Von 2010 bis 2014 war sie am Chemischen und Veterin\u00e4runtersuchungsamt CVUA  in Stuttgart in der Abteilung Bedarfsgegenst\u00e4nde als Laborleiterin und  Projektleiterin t\u00e4tig. Dort bearbeitete sie mehrere Projekte zum Thema  Lebensmittelkontaktmaterialien mit analytischem und  lebensmittelrechtlichem Schwerpunkt. <br>Seit Mitte 2014 ist sie an der Papiertechnischen Stiftung (PTS) als  Projektleiterin besch\u00e4ftigt. Ihr Aufgabenbereich umfasste den Ausbau und  die Betreuung des Gaschromatographischen und instrumentell-analytischen  Messlabors mit dem Schwerpunkt Lebensmittelkontaktmaterialien. Hier  leitete sie verschiedene Forschungsvorhaben. <br>2015 wurde sie Gesch\u00e4ftsbereichsleiterin Materialpr\u00fcfung &amp; Analytik an der Papiertechnischen Stiftung (PTS) und ist seitdem verantwortlich f\u00fcr  Dienstleistungen und Forschungsvorhaben rund um Messen und Pr\u00fcfen &#8211; vom  Rohstoff bis zum Enderzeugnis. Sie ist in verschiedenen Gremien des  DIN\/CEN Papier, Pappe, Faserstoffe sowie der  Bedarfsgegenst\u00e4ndekommission des Bundesinstituts f\u00fcr Risikobewertung  (BfR, BeKo) und dem Papierausschuss des BfR akti<\/em>v. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst und wie genau befassen Sie sich beruflich mit der Bewertung von Lebensmittelkontaktmaterialien? Als Gesch\u00e4ftsbereichsleiterin der Division \u201eMaterialpr\u00fcfung und Analytik\u201c an der Papiertechnischen Stiftung (PTS) spielen gesetzliche Anforderungen an Verpackungen eine wichtige Rolle. 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