{"id":7504,"date":"2019-07-19T11:20:27","date_gmt":"2019-07-19T11:20:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7504"},"modified":"2019-07-22T07:07:15","modified_gmt":"2019-07-22T07:07:15","slug":"elisa-mayrhofer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2019\/07\/19\/elisa-mayrhofer\/","title":{"rendered":"Elisa Mayrhofer"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zurzeit bin ich am OFI, dem \u00f6sterreichischen Forschungsinstitut f\u00fcr Chemie und Technik, t\u00e4tig. In verschiedenen Abteilungen werden hier Verpackungen, Food sowie Non-Food Produkte, auf diverse Parameter gepr\u00fcft. Unser Angebotsportfolio ist hier sehr breit angelegt &#8211; neben chemischen, physikalischen und mechanischen Pr\u00fcfungen werden auch Oberfl\u00e4chenanalysen (REM, Mikroskopie), Migrationspr\u00fcfungen und sensorische Bewertungen durchgef\u00fchrt. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Verpackungsmaterialien mit mikrobiellen und Zellkultur-basierten Labortests \u00fcberpr\u00fcft werden. Meine berufliche Expertise liegt in der Sicherheitsbewertung von unbekannten Substanzen, die aus Verpackungen in das Lebensmittel \u00fcbergehen k\u00f6nnen und die mit klassischen Risikobewertungsmethoden oft nicht evaluiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie genau befassen Sie sich beruflich mit der Bewertung von Lebensmittelkontaktmaterialien?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um unabsichtlich eingebrachte Substanzen (NIAS, non-intentionally added substances) in Lebensmittelkontaktmaterialien (LMKs) zu bewerten, werden meist chemische Analysenverfahren (GC-MS, HPLC) eingesetzt, mit dem Ziel, vorhandene NIAS zu identifizieren. Eine Identifizierung ist Voraussetzung f\u00fcr eine nachfolgende toxikologische Bewertung, allerdings ist oftmals eine eindeutige Substanzzuordnung nicht m\u00f6glich. Diese Tatsache sowie fehlende toxikologische Befunde erschweren die Risikobewertung von LMKs. Am OFI verfolgen wir daher eine zus\u00e4tzliche Strategie. Anders als bei klassischen Ans\u00e4tzen m\u00fcssen daf\u00fcr nicht zwingend alle Einzelsubstanzen identifiziert werden, sondern kritische biologische Effekte, wie z. B. hormonelle oder mutagene Aktivit\u00e4t, ausgeschlossen werden. Solche Effekte k\u00f6nnen mit verschiedenen <em>in-vitro<\/em> Assays detektiert werden. Zurzeit arbeiten wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern aus dem Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement der FH Campus Wien im FFG gef\u00f6rderten Forschungsprojekt Migratox an der Entwicklung von passenden Methoden zur Bewertung von LMK-Migraten mittels Bioassays. Wenn Substanzklassen, die bereits in geringsten Konzentrationen gef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnen &#8211; wie z. B. DNA-reaktive, genotoxische Substanzen &#8211; ausgeschlossen werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen Substanzen, die im Spurenbereich in die Verpackung \u00fcbergehen, nicht zwingend einzeln identifiziert und risikobewertet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sch\u00e4tzen Sie grunds\u00e4tzlich die Bedeutung von Grenzwerten, z. B. f\u00fcr spezifische Migrationslimits (SML), ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sofern Grenzwerte auf toxikologischen Daten basieren, sind sie meiner\nMeinung nach ein gutes Mittel in der Risikobewertung. Klar definierte\nGrenzwerte erleichtern ein einheitliches Vorgehen, da einfach festgestellt\nwerden kann, ob Substanzen in zu gro\u00dfer Menge in das Lebensmittel \u00fcbergehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sollten die Beh\u00f6rden l\u00e4nder\u00fcbergreifend kooperieren, um im Gesetzesdschungel mehr Sicherheit und mehr Einheitlichkeit f\u00fcr die Inverkehrbringer zu schaffen<\/em><\/strong>?<\/p>\n\n\n\n<p>Generell denke ich, w\u00e4re es ein guter Ansatz, gegenseitige Expertise zu teilen, nat\u00fcrlich auch l\u00e4nder\u00fcbergreifend. Diese Kooperation bietet die Chance, von gegenseitiger Erfahrung zu lernen, um eine optimale Strategie in der LMK Risikobewertung zu identifizieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welcher Bereich sollte aus Ihrer Sicht vom Gesetzgeber dringend geregelt werden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mir pers\u00f6nlich w\u00e4re es besonders wichtig, dass speziell in der Risikobewertung von NIAS genauer definierte Richtlinien festgelegt werden. Aber nicht nur die durchzuf\u00fchrenden Testungen, sondern auch deren Interpretation sollte geregelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die gesetzlichen Vorgaben werden immer strenger. Welche Konsequenzen kann das f\u00fcr Zulieferer und Hersteller, aber auch f\u00fcr die Verbraucher haben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Strengere gesetzliche Vorgaben k\u00f6nnen f\u00fcr den Verbraucher eine noch h\u00f6here Sicherheit von LMKs garantieren. Allerdings stellen diese Richtlinien Zulieferer sowie Hersteller immer wieder vor gro\u00dfe Herausforderungen. Besonders in der NIAS Risikobewertung sind gesetzliche Anforderungen zurzeit technisch nicht gut umsetzbar. Neue Bewertungsstrategien m\u00fcssen daher einerseits entwickelt, andererseits aber auch breit angelegt etabliert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie referieren \u00fcber &#8220;Bewertung von nicht identifizierbaren NIAS mittels Bioassays&#8221;. Was bewegt Sie besonders in diesem Zusammenhang?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie oben bereits erw\u00e4hnt, versucht unser Forschungsteam neuartige Strategien zur Identifikation von kritischen Substanzklassen, wie mutagenen Verunreinigungen, in LMK-Migraten zu etablieren. Ein besonderes Anliegen ist es mir, die neu gewonnenen Erkenntnisse unserer Forschung an LMK-Hersteller zu vermitteln. Dieser Austausch gibt uns einerseits Feedback, damit wir unsere Forschung genau auf die Bed\u00fcrfnisse der Anwender abstimmen k\u00f6nnen. Andererseits gibt es Partnerfirmen die M\u00f6glichkeit, diese neuartigen Strategien schon fr\u00fch in ihrem Unternehmen zu etablieren, um m\u00f6glichst bald von unseren Erkenntnissen zu profitieren. Gegenseitigen Diskurs finde ich daher ein sehr wichtiges Thema.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ihr Vortrag klingt spannend. Wie funktioniert die Methode und welche Vorteile bietet diese?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel der Methode ist es, die Risikobewertung bei Substanzen, die nur in geringen Mengen in das Lebensmittel \u00fcbergehen, auf jene Verbindungen zu fokussieren, die in geringen Konzentrationen auch tats\u00e4chlich gesundheitsgef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnten. Wenn man kritischste Effekte, die z. B. von DNA-reaktiven, genotoxischen Substanzen ausgehen, ausschlie\u00dfen kann, k\u00f6nnte das den Aufwand bei der Risikobewertung erheblich reduzieren. Daf\u00fcr verwenden wir neben chemischer Analytik auch <em>in-vitro<\/em> Bioassays. Zun\u00e4chst werden LMKs mit passenden Simulanzl\u00f6semitteln migriert. Diese Migrate werden in weiterer Folge konzentriert und danach zur Behandlung von speziellen Zelllinien heran gezogen. Ein Beispiel hierf\u00fcr w\u00e4re eine Reporter-Zelllinie zur Detektion von hormoneller Aktivit\u00e4t. Diese Zelllinie wurde so ver\u00e4ndert, dass der Hormonrezeptor nicht wie im Menschen Hormonproduktion steuert, sondern die Produktion von Luciferase f\u00f6rdert. Unter Zugabe von passenden Substraten wird durch Luciferase wie im Gl\u00fchw\u00fcrmchen eine Lichtreaktion ausgel\u00f6st, die in einem Luminometer detektiert werden kann. Die hormonelle Aktivit\u00e4t der untersuchten Probe ist direkt proportional zum emittierten Licht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein\nSignal im Bioassay ausbleibt, kann nicht nur eine einzelne Substanz\nausgeschlossen werden, sondern viel mehr die gesamte Substanzklasse, die diesen\nEffekt ausl\u00f6sen w\u00fcrde. Somit k\u00f6nnen viele verschiedene Substanzen mit nur einem\nTest ausgeschlossen werden, ganz ohne Substanzidentifikation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sch\u00e4tzen Sie grunds\u00e4tzlich das Risiko nicht gelisteter Substanzen ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das\nProblem bei nicht gelisteten Substanzen ist, dass man das Risiko h\u00e4ufig nicht\nso leicht einsch\u00e4tzen kann, da hier vielfach keine toxikologischen Daten\nvorliegen. Verfolgt man unsere Strategie, kann man diesem Problem aber\nentgegenwirken, da Risikobewertung nicht basierend auf Substanzidentifikation\ndurchgef\u00fchrt wird, sondern Produkte am Vorliegen kritischer Effekte gemessen\nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wo sehen Sie momentan f\u00fcr Packmittelhersteller besonderen Handlungsbedarf?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen der n\u00e4chsten Jahre ergibt sich sicher aus dem zu erwartenden gesetzlichen Druck, auf Recyclingmaterialien umzusteigen und gleichzeitig ein immer h\u00f6heres Ma\u00df an Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten. Im Sinne unseres Projekts w\u00fcrde es mich nat\u00fcrlich sehr freuen, wenn Packmittelhersteller neuartige <em>in\u2011vitro <\/em>Bioassay basierte Teststrategien in ihr Bewertungsportfolio aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wof\u00fcr begeistern Sie sich neben Ihren beruflichen Aufgaben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch beruflich, habe ich auch privat einen sehr starken \u201eEntdecker\/Forscher-Drang\u201c. Ich begeistere mich gern f\u00fcr neue Dinge, st\u00fcrze mich immer wieder gern in andere Projekte und strebe auch hier nach Verbesserung. Als Ausgleich zu meinen analytischen T\u00e4tigkeiten im Berufsleben versuche ich aber privat, meiner kreativen Seite mehr Raum zu geben und begeistere mich u. a. an dem Ausprobieren neuer (Back-) Rezeptideen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Um schon fr\u00fch wissenschaftliche Kenntnisse auszubilden, besuchte Elisa  Mayrhofer eine H\u00f6here Technische Lehranstalt f\u00fcr chemische Industrie.  Dieser chemischen Basisausbildung folgte im Jahr 2011 ein Studium der  Genetik und Entwicklungsbiologie an der Universit\u00e4t Wien. Im Zuge ihrer  Diplomarbeit besch\u00e4ftigte sie sich mit Grundlagenforschung zum Thema  Doppelstrangbruchbildung in der DNA im Modelsystem Saccharomyces  cerevisiae. Ihr Masterstudium sowie die daran gekn\u00fcpfte Forschungsarbeit  wurden im Jahr 2018 mit dem \u00d6sterreichischen W\u00fcrdigungspreis  ausgezeichnet. Seit 2018 ist Elisa Mayrhofer im Rahmen ihrer  Dissertation <\/em>in <em>technischer Chemie (Technische Universit\u00e4t Wien) am OFI, dem \u00f6sterreichnischen Forschungsinstitut f\u00fcr Chemie und Technik t\u00e4tig.  Dort ist sie als Teil eines motivierten Teams an der Entwicklung und  Validierung von in-vitro Bioassay basierten Methoden zur Risikobewertung  von Lebensmittelkontaktmaterialmigraten zust\u00e4ndig. Ein spezieller Fokus  liegt dabei auf der Genotoxizit\u00e4tsbewertung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Am liebsten  besch\u00e4ftigt sie sich mit der Entwicklung und Etablierung neuartiger Methoden und Bewertungsstrategien. <\/em><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst? Zurzeit bin ich am OFI, dem \u00f6sterreichischen Forschungsinstitut f\u00fcr Chemie und Technik, t\u00e4tig. In verschiedenen Abteilungen werden hier Verpackungen, Food sowie Non-Food Produkte, auf diverse Parameter gepr\u00fcft. 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