{"id":7809,"date":"2020-03-11T13:15:29","date_gmt":"2020-03-11T12:15:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/?p=7809"},"modified":"2020-03-12T08:27:32","modified_gmt":"2020-03-12T07:27:32","slug":"dr-martina-lindner-ueber-papierbasierte-barriere-verbundmaterialien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.innoform-coaching.de\/blog\/2020\/03\/11\/dr-martina-lindner-ueber-papierbasierte-barriere-verbundmaterialien\/","title":{"rendered":"Dr. Martina Lindner \u00fcber papierbasierte Barriere-Verbundmaterialien"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Der Themenschwerpunkt bei der diesj\u00e4hrigen Barriere-Verbundfolien-Tagung liegt auf einfach, optimal und recycelf\u00e4hig. Ist das Ihrer Meinung nach \u00fcberhaupt m\u00f6glich? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glich ist es &#8211; aber einfach ist es nicht. Sonst h\u00e4tten wir beim Fraunhofer Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung IVV nicht so viele Anfragen und Projekte mit Kunden zu diesem Thema.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welchen Schwierigkeiten sehen sich Verpackungshersteller gegen\u00fcber?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Umstellung auf recycelbare Materialien bedeutet, dass sich nicht nur die Barriereeigenschaften \u00e4ndern, sondern auch das Verarbeitungsverhalten. Unklar ist, wie der Markt und die \u00d6ffentlichkeit diese Entwicklungsarbeiten w\u00fcrdigen werden, besonders in finanzieller Hinsicht. Zus\u00e4tzlich ist unsicher, wohin sich der Gesetzgeber und die Recyclingsysteme bewegen. <br><br>Im Markt gibt es die Tendenz, zwar neue recycelbare Materialien zu fordern, jedoch die gleichen Eigenschaften zu w\u00fcnschen. Dies wird in vielen F\u00e4llen aber nicht m\u00f6glich sein, und es m\u00fcssen Abstriche bei funktionellen Eigenschaften (wie z. B. Barriere oder Festigkeit) in Kauf genommen werden und mehr Aufwand in die Entwicklung teurerer Technologien gesteckt werden. Solche Technologien sind z. B. die Bedampfung mit SiOx, oder &#8211; wie im Fall meiner Dissertationsarbeit &#8211; in Papiere mit im Vakuum aufgebrachten anorganischen d\u00fcnnen Barriereschichten. Ich w\u00fcrde hier weniger von \u201eSchwierigkeiten\u201c, sondern von Chancen sprechen. Die Firmen, die durch Entwicklungen geschickter mit dem Trend zu mehr Recycelbarkeit und Nachhaltigkeit umgehen k\u00f6nnen, werden besser dastehen. Institute wie das Fraunhofer IVV haben in den letzten Jahren verschiedene L\u00f6sungen entwickelt, die nun auf ihre Implementierung im Markt warten bzw. in h\u00f6here Technologiereifestufen gebracht werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Mit welchen unerw\u00fcnschten Konsequenzen m\u00fcssen Verpackungshersteller bei der Verwirklichung dieser Forderungen rechnen? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Umsetzung von nachhaltigen Konzepten erfordert oft die Umstellung und Anpassung von Maschinen und f\u00fchrt in vielen F\u00e4llen zu h\u00f6heren Materialkosten. Die Frage ist, ob der Markt und die \u00d6ffentlichkeit diesen Mehraufwand anerkennen. Wir haben mit verschiedenen Verpackungsherstellern L\u00f6sungen entwickelt und n\u00fctzliche Konzepte erarbeitet, z. B. Verpackungen aus Biopolymeren, Papiere mit Barriereschichten und besser recycelbare Materialien. Immer wieder war es jedoch schwer, die Anwender dieser Materialien &#8211; n\u00e4mlich Lebensmittelhersteller &#8211; ins Boot zu holen und zu kl\u00e4ren, ob deren Anlagen trotz abweichender mechanischer Eigenschaften die neuen Folien verarbeiten k\u00f6nnen, und ob diese Verpackungsanlagen angepasst werden k\u00f6nnen. Hierzu gibt aber auch Positivbeispiele.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Tagung Barriere-Verbundfolien findet im zweij\u00e4hrigen Zyklus statt. Was waren Ihrer Meinung nach die gr\u00f6\u00dften Fortschritte in der Entwicklung innerhalb der letzten zwei Jahre? K\u00f6nnen Sie Anwendungsbeispiele nennen? <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf meinem Arbeitsgebiet, den Barrierepapieren, sind mehrere Produkte auf den Markt gekommen, und es scheint so, dass der Markt diese Materialen annimmt. Was ich auch beobachte ist, dass das Thema Haltbarkeitsbestimmung und -simulation wieder eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt. <br><br>Viele nachhaltigere Packstoffe (z. B. Biopolymere, recyclingf\u00e4hige Verbunde oder Monomaterialien) k\u00f6nnen eine h\u00f6here Gasdurchl\u00e4ssigkeit aufweisen &#8211; welche f\u00fcr viele Lebensmittel aber v\u00f6llig ausreichend ist. Simulationen erlauben hier ein Matchmaking, um den passenden Packstoff f\u00fcr das passende Lebensmittel und die passende Haltbarkeit zu finden. <br>Auch an neuen Recyclingprozessen f\u00fcr Kunststoffverpackungen wird intensiv geforscht. Diesen sehen wir an den vielen Auftr\u00e4gen meiner Kollegen, die den Recycling-Prozess \u201eCreaSolv\u201c weiterentwickeln. Auff\u00e4llig ist generell die hohe Aktivit\u00e4t der Verpackungshersteller in der Entwicklung neuer Materialien. Wir merken dies an der Zunahme von Entwicklungsauftr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wo sehen Sie in naher Zukunft bahnbrechende Ver\u00e4nderungen im Barrierefolienbereich insgesamt und bezogen auf Barriere im Speziellen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bahnbrechend ist vielleicht das falsche Wort. Viele Entwicklungen sind bereits vorhanden, z. B. die Bedampfung mit anorganischen Schichten im Vakuum. Bahnbrechend, wenn man dieses Wort verwenden m\u00f6chte, ist die Weiterentwicklung, z. B. f\u00fcr die Anwendung auf Papier und Umsetzung am Markt. Daran hapert es oft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ihr Thema lautet \u201ePapier-basierte Barriere-Verbundmaterialien\u201c. Was wird Ihre Kernaussage sein, und wo sehen Sie f\u00fcr den Zuh\u00f6rer in erster Linie den Nutzen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Barriere auf Papier ist m\u00f6glich. Diese Materialien werden von Endkunden gut angenommen. Wichtig ist jedoch, die Weiterentwicklung, d. h. nachhaltigere, rezyklierf\u00e4higere, effizientere Barrierebeschichtungen und die Optimierung der Recyclingprozesse. Bei dem letzten Punkt hoffen wir auf gute Kooperationen, um dies f\u00fcr unsere Materialien zu kl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Vorteile und Marktchancen bieten Papier-biobasierte-Barriere-Verbundmaterialien gegen\u00fcber traditionellen Polymerverpackungen &#8211; auch in Hinblick auf die Nachhaltigkeit?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorteil ist eindeutig: Papierverpackungen werden durch Endkunden emotional h\u00e4ufig wohlwollender angenommen als Kunststoffverpackungen. Papier besteht aus nachwachsenden Rohstoffen und bei unsachgem\u00e4\u00dfer Entsorgung, also Littering, kann es sich in der Umwelt abbauen. Unabh\u00e4ngig davon hat auch Kunststoff seine unbedingte Existenzberechtigung. Was nachhaltiger ist, muss von Fall zu Fall ermittelt werden. Hier gibt es viele Graustufen. Hinzu kommt, dass sich die Produktions- und Recyclingverfahren weiterentwickeln. Daher ist die Nachhaltigkeit eines Materials nichts Statisches.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bei welchen Verpackungen wird es Ihrer Meinung nach mit der Barriere \u00fcbertrieben und warum?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, man sollte die Frage anders stellen: \u201eKann der Markt seine Anforderungen \u00e4ndern, um besser recycelbare Verpackungen zu erm\u00f6glichen?\u201c Ja, indem Produkte schnell verkauft und zeitnah konsumiert werden. In diesem Fall k\u00f6nnen Abstriche bei der Barriere gemacht werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch, und das ist wichtig, d\u00fcrfen nachhaltige Verpackungen nicht zu mehr verdorbenen Lebensmitteln f\u00fchren. In diesem Fall ist die gesamte \u00d6kobilanz negativ.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sch\u00e4tzen Sie pers\u00f6nlich die Zukunft (Barriere-)Verbundfolien ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube der Markt wird langfristig wachsen. Momentan wird die Diskussion in unserer Industrie von dem Thema Nachhaltigkeit und Recycling gepr\u00e4gt. Das Thema Save Food wird sicherlich wieder an Bedeutung gewinnen und damit das Thema Barriere. Es ist f\u00fcr mich sehr traurig, das so zu sagen, aber falls der Klimawandel so wie prognostiziert eintritt, was ich nicht hoffe, ist mit Auswirkungen in der Lebensmittelproduktion zu rechnen. Das Thema Haltbarkeit und Barriere w\u00fcrde dann noch st\u00e4rker an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Unsere Teilnehmer m\u00f6chten die Referenten auch gern pers\u00f6nlich besser kennenlernen. Deshalb noch eine letzte Frage: Wof\u00fcr begeistern Sie sich neben Ihren beruflichen Aufgaben besonders?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten Jahre schrieb ich am Fraunhofer IVV meine Dissertation. F\u00fcr so etwas braucht es immer etwas Begeisterung, die \u00fcber rein berufliches Interesse hinausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p> <em>Martina Lindner studierte Verpackungstechnik (B.Eng.) an  der Hochschule der Medien in Stuttgart sowie Milch- und  Verpackungswirtschaft (M.Eng.) an der Hochschule Hannover mit Auslandssemestern in Indien und Kanada. Ihre Bachelorarbeit verfasste  sie bei Sanofi-Aventis Deutschland GmbH mit dem Thema \u201eFraktografische  Untersuchung von kontrolliert am Schmelzrand gebrochenen  Zylinderampullen\u201c. Ihre Masterarbeit erstellte sie in Kanada bei Winpak  Heat Seal Packaging Inc. mit dem Thema &#8220;Implementation of a closed-loop  validation for cold form foil&#8221;. Seit 2013 arbeitet sie beim Fraunhofer  Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung als wissenschaftliche  Mitarbeiterin in der Abteilung Materialentwicklung und forscht im  Bereich der Biopolymere sowie der Metallisierung von Papiersubstraten.  Weiterhin ist sie Lehrbeauftragte f\u00fcr  &#8220;Chemisch technologische  Grundlagen der Lebensmittelverarbeitung&#8221; an der Hochschule Kempten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Themenschwerpunkt bei der diesj\u00e4hrigen Barriere-Verbundfolien-Tagung liegt auf einfach, optimal und recycelf\u00e4hig. Ist das Ihrer Meinung nach \u00fcberhaupt m\u00f6glich? M\u00f6glich ist es &#8211; aber einfach ist es nicht. Sonst h\u00e4tten wir beim Fraunhofer Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung IVV nicht so viele Anfragen und Projekte mit Kunden zu diesem Thema. 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