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Eine Stellungnahme des IK – und jetzt?

Dr. Bruder (IK) hat hier eine nachvollziehbare Stellungnahme abgegeben. Er kritisiert zu Recht die einseitige Sicht der EU auf Kunststoffe. Wie immer in solchen Zeiten heben Medien das Thema in emotionale Höhen, und der Fachmann ist oft geneigt, Gegendarstellungen und Bedenken dagegen zu setzen. Ich denke, man sollte die Welle surfen und sich nicht gegen diese stellen. Der Surfer weiß – es gibt nur Tauchen oder Surfen. Ich bevorzuge den Wellenritt, bei dem ich die Richtung noch mitbestimmen kann.

Das sind seine Titel in www.verpackungswirtschaft.de

„Ein Strohhalm-Verbot löst das Marine Litter-Problem nicht“…

…“Produktverbote schaffen kein grundsätzliches Verständnis“…

…“Zielführender: EU-Unterstützung für Schwellenländer und EU-weites Deponieverbot von Kunststoffabfällen“…

…“Single use – Ein irreführender Begriff im Entwurf der EU-Direktive“…

Den ganzen Text finden Sie hier: https://www.verpackungswirtschaft.de/news/biooekonomie/IK-Industrievereinigung-Kunststoffverpackungen-e.-V.-Ein-Strohhalm-Verbot-loest-das-Marine-Litter-Problem-nicht-9221

Diese dürften viele Kunststoffverarbeiter genauso teilen. Seit 1990 beobachte ich ein nahezu kontinuierliches Massenwachstum an Kunststoffverbrauch (auch für Verpackungen) in Deutschland und Europa – trotz Dickenreduzierung speziell bei Flaschen und Folien. Doch global beherrschen wir den Kunststoff nicht mehr. Wir entlassen ihn – weltweit gesehen – mehr oder weniger unkontrolliert in unsere Welt. Insbesondere die Verpackungen sind jeden Tag in aller Hände und nun auch in aller Munde und allen Ozeanen.

Im Moment reden wir viel über die Meere und deren Kontamination. Aber was ist mit den Äckern, Deponien und den Rückständen aus der Müllverbrennung? Auch diese Probleme werden findige Reporter bald für höhere Auflagen ihrer Medien wieder ausgraben. Darauf Antworten zu finden ist meiner Meinung nach die Herausforderung dieses Jahrzehntes an die Kunststoffindustrie.

Dramatisch wird es dann, wenn anstelle ökologisch und ökonomisch sinnvoller Verpackungslösungen – per Gesetz – unbequeme und nachteilige Verpackungen in den Markt gepresst werden. Dann verlieren alle – auch unser Raumschiff Erde, das wir damit mehr ausbeuten als mit optimierten Minimalverpackungen. Auch der Verbraucher, der mit unbequemen, den Lebensstil einengenden Produkten umgehen muss und auch Handel und die Produzenten, die größeren Umwälzungen ausgesetzt werden.

Ehrliche Debatten über Sinn und Unsinn, über falschverpackte Produkte sollten unsere Foren füllen. Unverpackt verkaufen wird eine elitäre Sache bleiben. Aber am Biotrend sehen wir, wie schnell größere Kundengruppen ein anderes Konsumverhalten umsetzen und andere Produkte kaufen, die nicht zwingend billiger sein müssen. Für die Folienverpackungen erkenne ich viele Chancen und geringe Risiken, da es eine Minimalverpackung sein kann. Das ist starren Behältern so nicht zu eigen. Aber unsere Materialvielfalt bremst derzeitige Recyclingkonzepte aus. Kunststoffmix ist schlecht zu recyceln – das weiß jeder, der sich hier einarbeitet. Warum reduzieren wir nicht auch bei den Folien die Werkstoffe? Es muss doch für die diversen Verpackungen immer Optimallösungen geben. Warum setzen diese sich noch nicht in der Form durch wie beispielsweise bei der PET-Flasche oder Weißblechdose?

Brauchen wir wirklich alle unsere 13 Schicht-Folien aus 7 Materialien? Oder sind wir da etwas über das Ziel hinausgeschossen? Brauchen wir immer PP und PE oder reicht eventuell auch eines der beiden Polyolefine? Warum laminieren wir PET auf so viele PE-Folien? Geht das mit modernen Maschinen und Materialien auf PE- oder PP-Basis nicht genauso, aber deutlich besser recycelfähig? Lag der Fokus in den letzten Jahre nicht zu wenig auf Recycling  und zu sehr auf Marketing?

Ja – das sind unbequeme Fragen. Ich denke, wir müssen uns dieen stellen und sie beantworten – ohne zu viele Vorbehalte, warum etwas „alternativlos“ so zu sein hat. Das Bessere ist des Guten Feind. Und was gut ist, wird gerade stark in eine umweltorientiertere Richtung verschoben. Da darf doch unser Denken nicht an derselben Stelle stagnieren.

Autor: Karsten Schröder