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These der Woche 2: Es gelangen zu viele Kunststoffe in die Umwelt

Marine Littering (Vermüllung der Meere) und Müllexporte nach Asien prägen die Berichterstattung seit Monaten. Wie kommt es zu dem Phänomen? Es begann mit Emotionen. Eine Weltumseglerin sah Müll im Meer in ungeahntem Ausmaß und startete die Elan Mc Arthur Stiftung. Mit herzzerreißenden Erzählungen und Bildern überzeugte sie Industrielle, NGO´s und einige Politiker, dass der Müll im Meer ein signifikantes Problem sei. Damals noch ohne fundierte Fakten, entstand daraus eine nicht enden wollende Müll-Debatte.

Heute heißt es auf der Home-Page der Foundation:

OUR MISSION IS TO ACCELERATE THE TRANSITION TO A CIRCULAR ECONOMY

Das passt in die Welt mit knappen Ressourcen, steigenden Energiekosten und zunehmender Umweltverschmutzung und damit einhergehendem Fisch- und irgendwann auch Menschensterben. Auf vielen Fotos sieht man dann anstelle der wirklichen Bedrohungen Plastiktüten aus Polyethylen, Getränkeflaschen aus PET, die noch nicht untergegangen sind, da ein Verschluss sie vorm Volllaufen schützt oder PP-Trays, die auch wie PE aufgrund ihrer geringen Dichte schwimmen. Was man nicht sieht, sind Mikropartikel aus Shampoos, Cremes und Textilien. Diese zeigen sich zunehmend als große Bedrohung für Mensch und Tier, da sie sogar ins Blut gelangen können und dort Unheil verbreiten.

Aber wussten Sie, dass PET-Flaschen aufgrund der Bepfandung zu 97,9 % und Getränke-Blechdosen zu 99% in Deutschland recycelt werden? Da bleibt nicht viel übrig, was in die Umwelt gelangen kann. Und doch schockieren uns die Meere in Asien voller Müll. Aber schockiert es auch die Hersteller dieses Mülls, diejenigen, die Flüsse als Müllabfuhr missbrauchen und diejenigen, die diesen Regionen diesen s. g. Wohlstand in Form von Wegwerfartikeln bringen?

Wie immer muss die Diskussion auf Fakten fußen. Wir haben in Europa ein Überangebot an Plastik – auch bei Verpackungen, das so nicht mehr akzeptiert wird. Zumindest die Bildungselite und Umweltschützer haben sich davon überzeugt. Es scheint jedoch klar zu sein, dass wir in Europa völlig andere Probleme zu lösen haben wie in Asien, USA oder Afrika. Versuchen wir hier immer weniger zu verbrennen, Kapazitäten zu optimieren und eine Kreislaufwirtschaft zu erschaffen, die des Namens würdig ist, kämpfen andere Regionen um ihr frisches Wasser, Fische zum Essen und ihren Lebensraum. So ist vielleicht eine Lebensmittelverpackung in Zentralafrika aus Folie ein Segen für die Ernährung der Ärmsten, auch wenn sie danach zum Heizen in der Hütte verwendet wird und Schadstoffe produziert. Liegt aber eine leere Verpackung an unserem Badestrand in Frankreich, empört sich die Gesellschaft und ächtet den Verursacher – ja – wen eigentlich?

 

Doch was bewirkt der Kunststoff unserer Verpackungen denn genau im Meer?

Dieser Frage ging die NZZ nach, und beim BKV fand ich diese wunderbare Zusammenfassung:

Einen Gastkommentar in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) von letzter Woche wollen wir an dieser Stelle nachreichen, weil er einen interessanten Blick auf die Thematik des Marine Litters wirft. Darin weist der Meeresbiologe, Verleger und Gründer des mare-Verlags, Nikolaus Gelpke, auf die mediale Fokussierung auf das emotionalisierbare Thema hin, wodurch seiner Ansicht nach die wahren Gefährdungen der Ozeane aus dem Blick geraten.

Beim Plastikmüll im Meer erkenne er ähnliche Muster wie seinerzeit bei den Berichten über abgeschlachtete Robbenbabies, deren Bilder zu deutlich mehr Spenden für Greenpeace führten als etwa die von Atomwaffentests im Pazifik, über die Greenpeace gleichzeitig kommunizierte. Doch sollten Wissenschaftler, Journalisten und Politiker Emotionen bei der Beschäftigung mit Bedrohungen der Ozeane außen vor lassen und mit Prognosen aufgrund der extrem komplexen Zusammenhänge vorsichtig sein. Der Autor macht die Umweltbelastungen in seinem Beitrag keineswegs klein, sie seien nahezu katastrophal. Er gibt nur zu bedenken, dass bislang die toxischen Folgen ungenügend erforscht seien und die Zahlen des effektiven Kunststoffeintrags ausschließlich auf Hochrechnungen basierten. Statt seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse abzuwarten, neigten die Medien zu Alarmismus. Wissenschaftlich belegt seien dagegen weit größere Gefahren, denen die Meere ausgesetzt seien: Versauerung, Erwärmung und Meeresspiegelanstieg als Folgen des Klimawandels. Auch Sauerstoffzehrung und Überfischung zählten dazu, was alles viel bedrohlicher sei als es Plastik je sein könne. Im Anschluss beschreibt der Autor die Folgen komplexer pH-Wert-Veränderungen oder Kohlenstoffkreisläufe. Doch das sei für die Medien nun mal nicht so leicht zu vermitteln wie der bildhaft darstellbare Müll. Was er dabei befürchtet, ist der daraus entstehende Druck auf die Politik, welche dadurch Gelder freigebe, die an anderer Stelle für eine tiefgreifend wissenschaftliche und profunde Betrachtung über das gefährdete Ökosystem der Meere fehlten. Quelle: Plastik im Meer – nicht sein größtes Problem