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Bernd Wilke über Siegeltechniken und ihre Grenzen

Nach seinem Studium der Lebensmitteltechnologie trat Bernd Wilke 1978 in die Robert Bosch GmbH ein. Bis Oktober 2017 war er dort beschäftigt, zuletzt als Leiter der Abteilung Engineering & Technology Support, Geschäftsbereich Packaging Technology. Parallel zu seiner Tätigkeit promovierte er über die Mechanismen der Entkeimung mit Wasserstoffperoxid. Im Jahr 2002 wurde er Honorarprofessor an der Universität Stuttgart-Hohenheim.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit hat B. Wilke einen Lehrauftrag für Verpackungstechnik an der o. g. Universität sowie am International Packaging Institute in Neuhausen, Schweiz (IPI) inne. Außerdem ist er Mitglied des Vorstandes der „Industrievereinigung Lebensmitteltechnologie und Verpackung“ (IVLV) in München, Deutschland.

Was hat Sie bewogen, der Einladung von Innoform zu folgen?
Es ist ein breites fachkundiges Auditorium vorhanden, das kritisch Stellung bezieht und somit einen guten Austausch ermöglicht.

Multilayer ist der Themenschwerpunkt, den das SKZ und Innoform gelegt haben. Was wird Ihre Kernaussage dazu im Rahmen der Tagung sein?
Aufgrund der aktuellen Debatte um teilweise Verbote von Kunststoffpackungen einerseits und Schutzbedarf für die abgepackten Produkte andererseits wird es weiterhin einen stark diversifizierten Markt geben, der nicht nur bestehende Technologien pflegt, sondern auch neue erfordert.

Sie referieren über „Bewährte Siegeltechniken und ihre Grenzen – und was kommt jetzt?“ Polyolefine Folien stellen oft die Siegelschicht. Das Siegeln selbst übernehmen Maschinen. Wo sehen Sie die Hauptinnovationen in diesem Spannungsfeld?
Hauptinnovationen sehe ich bei neuen Technologien, wie z. B. Induktionssiegeln oder einem sehr gezielten Wärmeeintrag mittels der Cera2Heat-Technologie.

Wo sehen Sie für Folienhersteller und -Verwender besonderes Innovationspotenzial?
Aufgrund der gesellschaftlichen Diskussion, auf die ich nachher noch zu sprechen komme, sehe ich hohes Innovationspotenzial bei Bioplastics, also Materialien, die entweder bio-based sind und/oder biodegradable sind. Allerdings bin ich mir sehr wohl auch der Grenzen und der finanziellen Hürden bewusst.

Wie lassen sich Multilayer und Kreislaufwirtschaft für Ihren Einflussbereich miteinander vereinbaren?
Durch den Einsatz der gebrauchten Materialien für spätere geringere Anforderungen, also ein downcycling. Das ist natürlich nur bei Verpackungen außerhalb der Lebensmittel denkbar und setzt voraus, dass z. B. farbliche Veränderungen der recyclierten Materialien toleriert werden. Einschränkungen der Funktionalität bei Packungen aus recycliertem Material sind natürlich nicht akzeptabel.

Innoform bietet technisch orientierte Tagungen an. Besucher sind in der Regel Fachleute aus der Branche, Hersteller und Verwerter. Was erwarten Sie persönlich von der Zuhörerschaft?
Offene sachliche Diskussionen und einen intensiven Austausch in den Pausengesprächen.

Konferenzen zum Thema „Kunststoffe in der Verpackung“ erfreuen sich größerer Beliebtheit. Woher kommt Ihrer Meinung nach dieses große Interesse an Wissen und auch Kontakten trotz häufig negativer Berichterstattung in den öffentlichen Medien?
M. E. ist einer der Gründe, dass die Fachleute um die außerordentlichen Vorteile der Kunststoffe wissen und erkennen, dass ein Verzicht auf Kunststoffe zu einem  signifikanten Anstieg der Lebensmittelverluste führen würde.  Leider ist es uns immer noch nicht gelungen, diese Zusammenhänge in das Meinungsbild der Bevölkerung zu transportieren. Die Fachleute erkennen aber auch, dass u. U. Anpassungen ihrer Produkte nötig sind.

Welchen Einfluss haben Ihrer Meinung nach der gesellschaftliche Druck sowie rechtliche Vorgaben und Kundenanforderungen auf die Innovation in der Herstellung von Multilayer-Folien?
Ich befürchte leider, dass es viefach zu einer abwartenden Haltung bei den Folienherstellern kommt, denn Innovationen kosten Geld und erfordern einen langen Atem. Und wenn man nicht weiß, wo die Reise hingeht, dann kann diese gesellschaftliche Diskussion zu einer Innovationsbremse werden.

Wie schätzen Sie auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht) die Zukunftschancen für Mehrschichtfolien im Vergleich zu anderen Folienarten ein und warum?
Nach wie vor hoch, da der Nutzen für die Fachleute unbestritten ist. Aufgrund der gesellschaftlichen Diskussion würde ich aber keine 1, sondern nur eine 2 erwarten.

Unsere Teilnehmer möchten die Referenten auch gern persönlich besser kennenlernen. Deshalb eine persönliche Frage: Wofür begeistern Sie sich neben Ihren beruflichen Aufgaben besonders?
Da ich seit kurzem im beruflichen Ruhestand bin, bin ich froh, das berufliche Netzwerk, das über viele Jahre gewachsen ist, pflegen zu können und mich andererseits neuen Aufgaben ohne Tagesgeschäft widmen zu können.  Daneben genieße ich es aber jetzt,  mehr Zeit für meine Hobbys wie Reisen und Literatur und vor allem für meine Familie und unser Enkelkind zu haben.