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Dr. Michael Dattner über ganzheitliche Qualitätssicherung

Sie sind Referent in Osnabrück. Was hat Sie bewogen der Einladung von Innoform zu folgen?

Ein Blick auf die zurückliegenden Innoform-Veranstaltungen und das Feedback von Kollegen, die bei Ihren Events ebenfalls aktiv unterstützen durften, machten es leicht Ihrer verlockenden Einladung zu folgen.

Ihr Thema gehört zu einer Reihe von verschiedenen Blickwinkeln auf den Fokus 1st time right bzw. im ersten Anlauf klappt schon alles. Was ist Ihre Kernaussage?

Aktuelle Qualitätssicherungssysteme können mehr als nur die Qualität eines fertig eingerichteten Jobs über die Laufzeit hinweg auf etwaige Abweichungen zu überwachen!

Mit der Anbindung an die Druckvorstufe und andere vorgelagerte Prozessschritte, wie beispielweise an die Substratherstellung, werden dem Operator wichtige Werkzeuge zur Verfügung gestellt, die ihm helfen schnell in Produktion zu kommen. Echte Makulatur-Einsparung wird dadurch möglich, dass schon nach den ersten wenigen produzierten Nutzen zuverlässig geprüft werden kann, ob das Druckbild bezüglich Bild- und Text-Inhalten zum geplanten Job passt und eine erste Einschätzung erfolgen kann, ob die aktuell verwendeten Druckfarben die richtigen sind.

Sie referieren über „Ganzheitliche Qualitätssicherung – Traum oder Realität“. Was bewegt Sie besonders in diesem Zusammenhang?

Autark arbeitende Systeme liefern große Mengen von Daten, die zusammengeführt den gesamten Prozess sehr detailliert und vor allem objektiv abbilden. Führt man diese Daten zusammen und wertet sie intelligent und just in time aus, können konkrete Handlungsempfehlungen für den Operator abgeleitet werden. Somit hat man die Intention der I 4.0 getroffen: Digitalisierung, Vernetzung und davon abgeleiteter Mehrwert für den Kunden. Mich bewegt in diesem Zusammenhang, wie weit unsere Vision der Ganzheitlichkeit tatsächlich zu realisieren ist, nachdem wir in vielen Einzelprojekten proprietäre Lösungen umgesetzt haben und nun an der Zusammenführung arbeiten.

Warum sprechen Sie über QS – ist das nicht ein alter Hut?

Stimmt, Qualität sichernde Systeme gibt es schon sehr lange, aber die Möglichkeiten die heutzutage aus der Vernetzung der Systeme erwachsen, ist eine ganz neue Dimension: Hat man Zugriff auf sämtliche relevante Daten aus allen Prozessschritten entlang der Wertschöpfungskette, lassen sich große, aber bisher verborgene Optimierungspotentiale heben. Insbesondere können erstmals abgesicherte Handlungsempfehlungen gegeben werden, die ohne die Vernetzung aus den Daten von autark arbeitenden QS-Systemen alleine nicht hergeleitet werden könnten.

Wo sehen Sie für die Verpackungsdrucker momentan besonderen Handlungsbedarf?

Eine  besondere Herausforderung sehe ich im Kontext der sich rasant entwickelnden Digitalisierung im Verpackungsdruck im Schnittstellen-Management. Der Handlungsbedarf leitet sich daher momentan von der Vielzahl an Plattformen ab, die in unterschiedlichen Maschinen, Sensorik und ERP-Systemen installiert sind. Für sich betrachtet erfüllen sie alle ihre vorrangige Aufgabe, aber sie können, wie auch die Qualität sichernden Systeme, erst durch ihre Vernetzung ihr gesamtes Potential entfalten und die Effizienz in den Prozessabläufen steigern.

Was erwarten Sie sich persönlich von der Zuhörerschaft?

Ganz besonders freuen würde mich, wenn die Zuhörerschaft die vorgestellten Konzepte zunächst wohlwollend aufnimmt, aber dann auch sofort kritisch hinterfragt und bezüglich ihres ganz persönlichen Blickwinkels auf Plausibilität prüft. Konstruktive Kommentare sowie Anregungen – und seien sie auch auf den ersten Blick noch so verrückt – sind immer herzlich willkommen: Schließlich ist es als Innovationsmanager meine Aufgabe Impulse zu provozieren und aufzunehmen.

Konferenzen zum Thema Drucken erfreuen sich größerer Beliebtheit als noch vor einigen Jahren. Woher kommt Ihrer Meinung nach dieses gesteigerte Interesse an Wissen und Kontakten?

Einzelkämpfer haben es heute schwerer denn je: Nur mit kompetenten Partnern kann man sich den bevorstehenden, sehr komplexen Herausforderungen stellen. Das Thema Drucken ist hierbei keine Ausnahme, es ist eher so, dass der Wandel in den Kundenanforderungen ein Umdenken in der gesamten Druckindustrie erfordert. Wie man damit am besten umgehen könnte oder sollte lässt sich doch nirgendwo besser diskutieren als auf Konferenzen, die sich genau dieser Thematik widmen und somit die unterschiedlichsten Blickwinkel sehr komprimiert zusammenbringen?!

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach das Zusammenwachsen von verschiedenen Druckverfahren – nicht nur in einem Unternehmen oder einer Marke – sondern sogar in einer Maschine?

Hybridmaschinen erfreuen sich schon lange großer Beliebtheit, wenn man zum Beispiel an das Flexodruckwerk mit Schutzlack als letztes Farbwerk in einer Offset-Druckmaschine denkt und damit die unterschiedlichen Vorzüge der Druckverfahren bzgl. möglicher Schichtdickentransfer kombiniert. Ungleich schwieriger wird die Kombination von Digitaldruck mit den konventionellen Druckverfahren, da eine individuelle Farbannahme auf vielen Substraten und die Synchronisation der Druckeinheiten immer noch eine gewisse Herausforderung darstellen.

Und dann noch eine private Frage: Was begeistert Sie außerhalb Ihrer beruflichen Tätigkeit?

Meine Jungs (6 & 3 Jahre alt) halten mich außerhalb meiner beruflichen Tätigkeit sehr gut auf Trapp und begeistern mich dadurch, dass ich miterleben darf, wie rasant sie sich entwickeln: Was vor kurzem noch unmöglich schien ist jetzt schon eine Selbstverständlichkeit. Diese Dynamik und die altersbedingt sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf dieselbe Sache halten mich wach, beweglich im Geist und ganz bewusst offen für Neues.

 

Dr. Michael Dattner ist seit 2015 Innovationsmanager bei BST eltromat International. Davor war er von 2011 bis 2015 als Projektleiter für spektrale Farbmessung bei BST International tätig. Parallel war er von 2012 bis 2015 Lehrbeauftragter an der Universität Wuppertal und ist seit 2013 Gastdozent an der Universität Rhein Waal. 2011 hat er seine Promotion zur Spektralen Farbanalyse abgeschlossen, nachdem er 2005 sein Diplom-Studium der Mathematik an der Universität Kaiserslautern abgeschlossen hat.