Okt 162017
 
Busse_Stefan1_klein

Herr Dr. Stefan Busse ist Diplom-Chemiker und seit 17 Jahren für Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGaA in Siegburg tätig. Als Regionaldirektor für Anwendungstechnik ist er für den Geschäftsbereich Flexible Verpackungen EMEA verantwortlich.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind strahlenhärtende und wasserbasierte Farbsysteme im Bereich der flexiblen Verpackung und lösemittelbasierte Systeme für den Tief- und Flexodruck.

Ihr Thema gehört zu einer Reihe verschiedener Blickwinkel auf den Fokus, den Innoform dieses Jahr gesetzt hat:  Veredelung. Was ist Ihre Kernaussage, bezogen auf diesen Themenkomplex?
Als Alternative zur Standardisierung kann eine differenzierende Veredlung zum unternehmerischen Erfolg beitragen.

Sie referieren über „Differenzierung oder Standardisierung – wie Druckfarbenkonzepte beides unterstützen können“. Was bewegt Sie besonders in diesem Zusammenhang?
Die Herausforderung, mit jedem einzelnen Kunden zusammen die beste Lösung zu erarbeiten.

Ist Differenzierung grundsätzlich mit steigenden Kosten und Standardisierung mit Kosteneinsparung gleichzusetzen oder gibt es auch Ausnahmen?
Gute Ideen im Design müssen nicht teuer sein. Darüber hinaus spielen mittelfristig Investitionen in günstigere Druckverfahren eine Rolle.

Wo sehen Sie für die Verpackungsdrucker momentan besonderen Handlungsbedarf?
Unabhängig von Standardisierung oder Differenzierung muss jeweils ein Optimum in der Effizienz der jeweiligen Prozesse erarbeitet werden.

Innoform ist bekannt für technisch orientierte Tagungen. Besucher sind in der Regel Fachleute aus der Branche, ihren Kunden und Lieferanten. Was erwarten Sie persönlich von der Zuhörerschaft?
Fragen zur Rolle der Druckfarben, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Konferenzen zum Thema Verpackungsdruck erfreuen sich größerer Beliebtheit als noch vor einigen Jahren. Woher kommt Ihrer Meinung nach dieses gesteigerte Interesse an Wissen und auch Kontakten?
Wissen, d. h. das Verständnis von technischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen bei der Fertigung von Verpackungsmaterial, ist sicherlich noch entscheidender, um im steigenden, internationalen Wettbewerb langfristig erfolgreich zu bleiben.

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach das Zusammenwachsen von verschiedenen Druckverfahren – nicht nur in einem Unternehmen oder einer Marke – sondern sogar in einer Maschine?
Zur Erreichung des Optimums im Spannungsfeld aus Diversifizierung bei möglichst geringen Kosten werden hybride Druckverfahren weiter an Bedeutung zunehmen.

Wie schätzen Sie auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht) die Zukunftschancen für den Verpackungsdruck im Vergleich zu anderen Druckbereichen ein und warum?
Bei einer 1, da ansprechende und bezüglich der Gebrauchseigenschaften hochwertige Verpackungen über den Erfolg der Markenartikler entscheiden.

Unsere Teilnehmer möchten die Referenten auch gern persönlich besser kennenlernen. Deshalb eine persönliche Frage: Wofür begeistern Sie sich neben Ihren beruflichen Aufgaben besonders?
Winterurlaub in den Bergen und Sommerurlaub am Meer.

 

Jun 012017
 
Werner&Mertz

Albin Kälin von EPEA Switzerland  überreichte im Rahmen der Cradle-to-Cradle® Experten Gespräche am 16. Mai 2017 im Palais Eschenbach Herrn Reinhard Schneider von Werner & Mertz und Herrn Dr. Jörg-Peter Langhammer von Siegwerk Druckfarben für die neuen ökologischen Druckfarben die Material Health Certification in GOLD.

Werner & Mertz ist ein kompetenter Botschafter für Ökoeffektivität. Das Unternehmen produziert mit Rücksicht auf Ressourcenerhaltung und seine ökologische Verantwortung. Werner & Mertz hat sich dem so genannten Cradle-to-Cradle®-Prinzip selbst verpflichtet. Dieses Prinzip sieht die Rückführung aller Bestandteile eines Produktes in geschlossene technische oder biologische Kreisläufe vor und setzt die Kreislauffähigkeit der einzelnen Bestandteile einer Verpackung voraus.

Epea_SwitzerlandMit dem Cradle-to-Cradle®-Druckfarbenprojekt hat Werner & Mertz gemeinsam mit dem Druckfarbenhersteller Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGaA und der EPEA Switzerland (Environmental Protection Encouragement Agency) die Entwicklung nachhaltiger UV-Druckfarben angestoßen.

Ziel der Zusammenarbeit war die Entwicklung eines Druckfarbensystems bzw. Lackes, das nach dem GOLD-Status der Material Health Certification (MHC) bewertet werden kann. Eines der häufigsten Probleme bisheriger Druckfarben besteht darin, dass viele der üblicherweise verwendeten Pigmente nicht den Anforderungen der EPEA entsprechen. Daher war eines der Hauptziele der Initiative, Pigmente einzusetzen, die sicher für biologische Kreisläufe sind. Dafür musste der ursprüngliche Farbwert leicht verschoben werden.

SiegwerkSiegwerk und EPEA Internationale Umweltforschung GmbH haben gemeinsam alle Komponenten des Druckfarbensystems bzw. Lackes bis ins letzte Detail geprüft und abgestimmt. Offene toxikologische Fragen wurden erfolgreich geklärt. Das neu entwickelte Druckfarbensystem ist ein sogenanntes Low-Migration-System und somit für kosmetische Artikel und Lebensmittel geeignet. Für die endgültige Farbwiedergabe ist nicht nur das Pigment entscheidend, sondern auch das Druckfarbensystem und der Untergrund, auf den es aufgedruckt wird. Diese alternative Pigmentierung ist für das menschliche Auge allerdings nicht wahrnehmbar.

 

 

 

 

 

 

 

Mai 082017
 
Grabitz_Andreas_1_klein

Herr Dr. Andreas Grabitz studierte an den Universitäten Tübingen und Würzburg Chemie. Im Fachbereich Umweltchemie promovierte er an der Universität Lüneburg über die Bestimmung des Pestizideintrages in ackernahen Buchenwäldern.

Seit dem 01.01.2005 ist er bei der Eurofins AG angestellt. Von 2005 – 2007 war er Larborleiter im Bereich der Produktanalytik, von 2008-2009 Kundenbetreuer und Projektleiter im Bereich Lebensmittelverpackungen. Aktuell kümmert er sich bei Eurofins jetzt um den Vertrieb und das Marketing von Lebensmittelverpackungen. Am liebsten beschäftigt er sich mit der industriekompatiblen Konformitätsarbeit und der Identifizierung minimal notwendiger Analysenumfänge und daraus resultierenden Einsparpotenzialen.

Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst?

Eurofins berät Verpackungshersteller und Anwender bezüglich der gesetzlichen Anforderungen an alle Arten von Lebensmittelverpackungen.

Welche Vorgaben halten Sie für besonders wertvoll und warum?

Aufgrund der immer stärkeren internationalen Vernetzung der Märkte halte ich harmonisierte europäische Regelungen für sehr sinnvoll. Sicher sind diese sehr träge und werden nur langsam an aktuelle Entwicklungen angepasst, geben dem Anwender aber die Sicherheit, dass Materialien europaweit einheitlich bewertet und demnach auch vermarktet werden können.

Welcher Bereich sollte dringend vom Gesetzgeber aus Ihrer Sicht geregelt werden?

Der Bereich der Druckfarben ist sicher der, der in der Vergangenheit am meisten Diskussionen hervorgerufen hat. Eine Regelung in diesem Bereich wird auch von der Industrie als vordringlich angesehen.

Wo sehen Sie momentan für Packmittelhersteller besonderen Handlungsbedarf?

Ich denke, die größte Herausforderung ist seit längerer Zeit und leider immer noch aktuell die Kommunikation in der Lieferkette. Immer wieder hören wir von Herstellern und Anwendern, dass Materialien von Anwendern Bedingungen ausgesetzt sind, die dem Verpackungshersteller nie bekannt waren. Zu hohe Temperaturen beim Befüllen oder bei der Pasteurisierung/Sterilisierung sind nur zwei Beispiele, die zu großen Schwierigkeiten führen können, die vermeidbar wären, wenn Rohstofflieferanten, Hersteller, Verarbeiter und Anwender von Verpackungen besser miteinander kommunizieren würden.

Wie schätzen Sie grundsätzlich die Bedeutung von Grenzwerten, z. B. für spezifische Migrationslimits (SML), ein?

Grenzwerte, wie spezifische Migrationslimits, sind wichtige und zum Teil auch international anerkannte Hilfsmittel, um Sicherheit von Materialien zu gewährleisten. Der Preis für dieses „einfache“ Konzept der spezifischen Migrationslimits ist aber, dass viele vereinfachende Annahmen, wie z. B. eine standardisierte (i. d. R. viel zu hohe) Annahme einer täglichen Aufnahmemenge oder die üblicherweise angenommenen standardisierten Oberflächen-/Volumenverhältnisse, bei der Konformitätsprüfung zum Teil deutlich von den realen Bedingungen abweichen.

Sie referieren über „Die deutsche Druckfarbenverordnung“ und ihr Ende. Was bewegt Sie besonders in diesem Zusammenhang?

Druckfarben und deren Inhaltsstoffe waren in der Vergangenheit Ursache für eine ganze Reihe von Skandalen, die teilweise auch in die Tagespresse Eingang gefunden haben. Die Hersteller von Druckfarben haben in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die Rezepturen von Druckfarben so zu gestalten, dass die Migration minimiert wird. Durch das AUS der deutschen Druckfarbenverordnung wird häufig der Eindruck erweckt, Druckfarben stünden nun wieder völlig im leeren Raum. Mit Hilfe dieses Vortrages möchte ich darstellen, dass dem absolut nicht so ist.

Wofür begeistern Sie sich neben Ihrem beruflichen Aufgaben?

Neben meinem Familienleben, das mit drei Kindern im Alter von 6, 10 und 12 Jahren noch durchaus fordernd ist, entspanne ich mich gern bei Gartenarbeit und bin begeisterter, aktiver Chorsänger.

 

Apr 202017
 
Kleinert_Walter_klein

Dr. Walter Kleinert startete seine berufliche Laufbahn 1966 in Frankfurt bei der Hoechst AG mit einer Chemielaborantenlehre. Danach studierte er Chemie an der Fachhochschule Fresenius (Wiesbaden) und an der Technischen Universität Berlin, promovierte dort am Institut für Technische Chemie auf dem Gebiet Reaktionstechnik.

  • Nach der Promotion folgten 27 Jahre Industrietätigkeit (8 Jahre Kunststoff- und Kautschukforschung, 9 Jahre Betriebsleiter eines chemischen Produktionsbetriebes, 10 Jahre Referent für Produktsicherheit für Kunststoff- und Lackrohstoffe) bei der gleichen Firma mit wechselndem Firmennamen, wie Hüls AG, Degussa AG, seit September 2007 Evonik Degussa GmbH an den Standorten Marl und Herne. Von 1998 bis 2007 aktive Mitarbeit auf dem Gebiet Produktsicherheit in Gremien auf nationaler und europäischer Ebene (z. B. KTW AG, Plastics Europe Deutschland, Cefic-FCA). Seit September 2007 Berater Produktsicherheit für CEFIC und MDC Tec.
  • Seit 12. 09. 2007 ist Degussa das Geschäftsfeld Chemie des neuen Industriekonzerns Evonik Industries in Essen. Degussa ist das weltweit größte Spezialchemieunternehmen und ist das drittgrößte Chemieunternehmen Deutschlands.
  • CEFIC ist der Wirtschaftsverband der europäischen chemischen Industrie mit Sitz in Brüssel. CEFIC vertritt die politischen Interessen der chemischen Industrie auf europäischer Ebene. Die internationale Arbeit wird über den internationalen Chemieverband (International Council of Chemical Associations) gesteuert, in dem CEFIC Mitglied ist.
  • Plastics Europe Deutschland (früher VKE = Verband der Kunststofferzeugenden Industrie).
  • KTW AG, eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Tinkwasserkommission des Umweltbundesamtes und der Kunststoffkommission/Expertengruppe des BfR), BfR = Bundesinstitut für Risikobewertung.

Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst?
Ich bin Inhaber und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kleinert UG. Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist die Beratung der gesamten Lieferkette vom Rohstoffhersteller bis zum Packmittelhersteller von Lebensmittelverpackungen.

Welche Vorgaben halten Sie für besonders wertvoll und warum?
Die harmonisierte EU-Verordnung 10/2011 für Kunststoffe. Die Vielzahl der verschiedenen nationalen Regelwerke aller EU-Mitgliedsstaaten werden durch nur eine einzige Verordnung ersetzt. Die Verantwortung für die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Kunststoffen in Lebensmittelverpackungen wird vom Hersteller auf den Gesetzgeber übertragen.

Welcher Bereich sollte dringend vom Gesetzgeber aus Ihrer Sicht geregelt werden?
Für alle in Lebensmitteln verwendeten Materialien sollten harmonisierte Regularien geschaffen werden. Dringend reguliert werden sollten Lacke/Lackrohstoffe, da diese oft in Mehrschichtverpackungen mit den Lebensmitteln direkt in  Kontakt stehen.

Wo sehen Sie momentan für Packmittelhersteller besonderen Handlungsbedarf?
Alle Mitglieder der Lieferkette Lebensmittelverpackung (Rohstoff bis zum fertigen Packmittel) müssen ihren Kunden mit der Produktlieferung eine „Declaration of compliance“ zur Verfügung stellen. Weiterhin müssen bei Bedarf „Supporting documents“ vorgelegt werden können. Mit beiden Dokumenten muss die gesundheitliche Unbedenklichkeit des gelieferten Produkts belegt werden.

Wie schätzen Sie grundsätzlich die Bedeutung von Grenzwerten, z. B. für spezifische Migrationslimits (SML), ein?
Ich schätze die Bedeutung sehr hoch ein, wenn das ursprüngliche EU-Konzept der Exposition beibehalten wird. Danach gilt der SML-Wert für Kunststoffe und für alle anderen Kategorien von Materialien, z. B. Lacke, Klebstoffe, Druckfarben. Leider geht die Entwicklung heute in eine andere Richtung. Die Listung von neuen Stoffen in der EU-Verordnung 10/2011 erfolgt heute oft mit Einschränkungen. Die Listung gilt oft nicht mehr für alle Kunststoffe, sondern beschränkt sich auf wenige oder nur einen einzelnen Kunststoff.

Sie referieren über „Migrations-Modelling“. Was bewegt Sie besonders in diesem Zusammenhang?
Ich unterstütze das Migrations-Modelling und hoffe damit das Vertrauen in die Modelle zu verbessern. Ich hoffe auf eine breite Anwendung des Migrations-Modelling.

Wofür begeistern Sie sich neben Ihren beruflichen Aufgaben?
In meiner Freizeit kümmere ich mich um meine Familie. Ich interessiere mich für Geschichte und lese gern.

Apr 122017
 
Kirchnawy_Christian_klein

Dr. Christian Kirchnawy, geboren in Baden, studierte Lebensmittel- und Biotechnologie an der BOKU in Wien. Bereits im Zuge seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema „Hormonaktive Substanzen in Kunststoffen“. Im Anschluss an sein Studium setzte er die Arbeit an diesem Thema in Form einer Dissertation am OFI fort, wo er seit Anfang 2010 im großen Forschungsprojekt „Xenohormone“ an der Entwicklung von biologischen und chemischen Methoden zur Untersuchung von Kunststoffen auf hormonaktive Substanzen arbeitet. Im Sommer 2011 übernahm Christian Kirchnawy die wissenschaftliche Leitung des Forschungsprojektes sowie die Leitung des Bereichs Mikrobiologie & Zellkultur am OFI. Der Fokus seiner Arbeit liegt heute auf der Bewertung der Sicherheit von Lebensmittelkontaktmaterialien und Medizinprodukten durch eine Kombination aus chemischer Spurenanalytik und in-vitro Bioassays.

Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst?

Ich beschäftige mich beruflich mit neuen Methoden zur Evaluierung der Sicherheit von Verpackungen, insbesondere mit unbeabsichtigt eingebrachten Substanzen (NIAS) und der Rolle, die in-vitro Bioassays bei der Sicherheitsbewertung spielen können. Der Fokus liegt dabei zwar nach wie vor auf der wissenschaftlichen und analytischen Seite – der rechtliche Hintergrund spielt aber auch bei meiner Arbeit eine immer wichtigere Rolle.

Welche Vorgaben halten Sie für besonders wertvoll und warum?

Dass durch die EU-Verordnung 10/2011 für Kunststoffe zumindest alle Monomere, Additive und Ausgangsstoffe europaweit einheitlich geregelt sind, halte ich für sehr wertvoll. Ähnliche europaweit harmonisierte Vorgaben würden wir uns auch in anderen Bereichen, z. B. bei Farbpigmenten oder Druckfarben, wünschen.

Welcher Bereich sollte dringend vom Gesetzgeber aus Ihrer Sicht geregelt werden?

Bei der Bewertung der Sicherheit von NIAS gibt es derzeit eine große Kluft zwischen dem, was theoretisch vom Gesetzgeber gefordert wird, und dem, was sich in der Praxis mit vertretbaren finanziellen Mitteln analytisch durchführen lässt. Vor allem, wie bei der Bewertung mit nicht identifizierten Substanzen umgegangen werden soll, ist offen.

Wo sehen Sie momentan für Packmittelhersteller besonderen Handlungsbedarf?

Aus meiner eigenen beruflichen Perspektive in der Sicherheitsbewertung von NIAS, die – obwohl gesetzlich bereits gefordert von vielen Betrieben – noch fast gar nicht umgesetzt wurde.

Ein ganz großes Thema werden in den nächsten Jahren aber sicher die steigenden Anforderungen an die Recycling-Quoten sein – das ist aber eher ein Thema für meine Kollegen.

Wie schätzen Sie grundsätzlich die Bedeutung von Grenzwerten, z. B. für spezifische Migrationslimits (SML), ein?

Grenzwerte sind für die Bewertung der Sicherheit von Verpackungen sehr hilfreich, da sie eindeutige, klar definierte Kriterien sind, an Hand derer die Konformität der Verpackung bewertet werden kann. Viel schwieriger wird es dort, wo es keine klaren Grenzwerte gibt: z. B. im Bereich NIAS.

Sie referieren über „Kombination von in-vitro Assays und chemischer Spurenanalytik für die Risikobewertung von NIAS“. Was bewegt Sie besonders in diesem Zusammenhang?

Die Risikobewertung von NIAS  stellt Verpackungshersteller vor Herausforderungen, die mit derzeitigen analytischen Methoden oft nicht zufriedenstellend gelöst werden können. In der Regel können nicht alle NIAS verlässlich identifiziert werden. In-vitro Bioassays, die nicht spezifische chemische Substanzen, sondern eine biologische Wirkung (z. B. Schädigung der DNA) detektieren, können hier eine wertvolle Ergänzung zur chemischen Spurenanalytik darstellen. Bei der Bewertung von Medizinprodukten aus Kunststoffen setzen wir solche Methoden bereits seit langem ein – die immer weiter steigenden Anforderungen an die Sicherheitsbewertung von Verpackungen machen diese Methoden jetzt auch für Lebensmittelkontaktmaterialien interessant.

Wofür begeistern Sie sich neben Ihrem beruflichen Aufgaben?

Zeit mit meinen Kindern verbringen – für alle anderen Hobbies (Fußball, Volleyball, Schach, Reisen, …) ist leider immer weniger Zeit da …

 

Mrz 312017
 
Glaeser

Von der Amphore zur Optimalverpackung

Die Innoform Coaching GbR lud am 07./08. Februar 2017 zum 15. Inno-Meeting im Steigenberger Hotel Remarque in Osnabrück ein. Rund 160 Fachkräfte der Verpackungs- und Lebensmittelindustrie nahmen daran teil. Im Mittelpunkt des Branchentreffs der Flexpack-Industrie stand das Thema „Optimalverpackung“.

Gab es die ersten Einwegverpackungen als Amphoren in Persien, so hat sich die Verpackung im Laufe der Jahrhunderte immer weiter entwickelt und ist ein ständiger und nie endender und kreativer Lernprozess, und wie Michelangelo schon treffend sagte: Non finito.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutierten die Teilnehmer optimale Voraussetzungen, Grundlagen und Entwicklungsprozesse für eine perfekte Verpackung.

Florence_ColgateHerr Gundolf Meyer-Hentschel vom Age-Explorer Institut veranschaulichte an dem mathematisch perfekten Gesicht von Florence Colgate, der schönsten Frau der Welt, dass Schönheit messbar ist und es eine Formel für das Optimum gibt.
Ist auch die Optimalverpackung messbar bzw. berechenbar?

LeightyAnke Leighty vom GVM beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit den zentralen Einflussfaktoren für die Entwicklung des Verpackungsverbrauchs. Sie beleuchtete Wachstumsmärkte für Mono- und Verbundfolien an ausgewählten Branchen in Deutschland und Europa. So schlagen sich Megatrends wie „Umweltfreundlichkeit“ und „Save Food“ deutlich in der Entwicklung des Verpackungsverbrauchs nieder. Die Branche wächst weiter.

InnoviaInnova Market Insights veröffentlicht jedes Jahr die Top 10 der Food & Beverage Trends, die die Neuproduktentwicklungen der kommenden Jahre spürbar beeinflussen werden. Dominik Herwald zeigte anhand aktueller Flexpack-Innovationen in Europa, dass neben Convenience das wachsende Verlangen nach Produkten, die nachhaltigeren Konsum unterstützen, wesentlichen Einfluss auf Verpackungsinnovationen hat. Er stellte neue Produkte mit verschiedensten Lösungsansätzen vor. Das Spektrum reichte von flexiblen und wiederverschließbaren Verpackungen bis zur Neugestaltung tiefgefrorener Lebensmittel.

DaffnerVerpackungsinnovationen sind nur möglich, wenn alle am Entwicklungsprozess Beteiligten Hand in Hand arbeiten. Maren Daffner von abc packmedia stellte optimale Entwicklungsprozesse aus Sicht eines Reprounternehmens und einer Designagentur im Zusammenspiel mit dem Markenartikler vor.

Kredel_MucheTobias Kredel (Interview: https://youtu.be/MkZ9gGNz3xI ) und Volker Muche der pacProject GmbH  stellten das Packaging Wheel Konzept vor, ein visuelles, logisches Tool, das auf Open Source und die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten setzt. Über holistische Evaluierung und das Benchmarking von Marktmustern wird so der demokratische Meinungs- und Wissensaustausch der Teams erleichtert und der Entwicklungsprozess beschleunigt.

PantNeue und unterschiedliche Entwicklungsprozesse für eine Optimalverpackung wurden vorgestellt. Immer mehr Baukastensysteme halten Einzug in die Verpackungsentwicklung und ermöglichen so eine Standardisierung und damit Kosteneinsparung. Astrid Pant vom Fraunhofer Institut (Interview: https://youtu.be/pfQOe5x4aYc) stellte ein Berechnungssystem zur Abschätzung der Haltbarkeit und weiteren Eigenschaften von Lebensmittel vor. Dieses Modell beruht auf Modulen, die einzelne Teilbereiche separat oder kombiniert berechnen können, so dass verschiedene Blickwinkel auf ein verpacktes oder zu verpackendes Gut möglich sind, wie z. B. Sauerstoffbarriere, mechanische Festigkeit, Simulation etc.

HäpDr. Stefan Häp, Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGaA beschrieb die einzigarten Eigenschaften und Vorteile eines universellen Masterbatch Farb-Systems auf Polyurethanbasis. Mit einer Vielzahl von typischen Farbkomponenten erlaubt das System die schnelle Bereitstellung maßgeschneiderter Farblösungen, die mit exakt den gewünschten technischen Eigenschaften und der erforderlichen Druckperformance zum Gelingen einer optimalen Verpackung beitragen können. Diese Modul-Strategie spart Geld und Ressourcen.

SiebelsTim Siebels, Institut für Distributions- und Handelslogistik des VVL e.V. stellte Lösungsansätze vor, wie zukünftige Verpackungsentwicklungen die Herausforderungen des Online-Lebensmittelhandels und die damit verbundene komplexe Logistik im Kontext von Industrie 4.0 erfüllen können.

KremerSchalenverpackungen sind ein Lösungsansatz, komplexe Logistikherausforderungen einfach zu lösen. Sebastian Kremer von silver plastics holte die Schalenverpackungen aus ihrem scheinbaren Schattendasein heraus und veranschaulichte, welche Möglichkeiten sich mit der richtigen Schalenverpackung eröffnen. So können mit einer adäquaten Standardisierung bezüglich Farben, Formen und Varianten Kosten eingespart, Logistikanforderungen erfüllt und zusätzlich die Umwelt geschont werden.

KohlertAktive und intelligente Verpackungslösungen schützen nicht nur das Produkt, sondern stellen sich auch Herausforderungen wie Fälschungssicherheit, Leitfähigkeit und Kratzfestigkeit. Prof. Christian Kohlert von Klöckner Pentaplast GmbH & Co. KG zeigte anhand von Mustern, welche Möglichkeiten sich mit der Nutzung von Nanopartikeln eröffnen. Aufgrund der kleinen Abmessungen und damit riesigen Oberflächen werden Eigenschaften erzeugt, die normale polymere Folien sonst nicht haben. Aber Achtung – neue Technologien bergen Risiken, die Klöckner zu beherrschen weiß.

WilkeNicht zu vergessen ist bei der Entwicklung einer Optimalverpackung die Circular Economy, die Kreislaufwirtschaft, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Tagung zog und in der Verpackungsindustrie immer mehr Gesprächsthema wird. In Diskussionen rücken Rohstoffknappheit, Entsorgung, nachwachsende Rohstoffe, Umwelteigenschaften der Verpackungen immer mehr in den Vordergrund: Welche Konsequenzen muss der Hersteller ergreifen, damit die Verpackung nicht in Misskredit gerät, weil sie Ressourcen kostet? Was ist für den Hersteller realisierbar und was fordert der Gesetzgeber? Dazu sprach u. a. Prof. Dr. Bernd Wilke (Interview: https://youtu.be/m7OEHXTKHSI). So wird am 04./05. April eine Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen auf der Marienfestung Würzburg stattfinden. Schwerpunktthema wird die Kreislaufwirtschaft sein.

Yildrim

Rohstoffe werden knapper und teurer: Michael Krainz drehte an der Kostenschraube und zeigte auf, welche Minimierungsmöglichkeiten es gibt und wohin der Trend geht. So ist eine Verpackung umso effizienter und ressourcenschonender ist, je optimaler sie auf das Füllgut zugeschnitten ist. Materialreduktionen stellen Herausforderungen an neue Materialien und Materialkombinationen, an neue Bio-Kunststoffe und Verarbeitungsverfahren. Anhand praktischer Beispiele stellte er erfolgreiche Materialreduktionen vor, mit denen mittels der richtigen Vorgehensweise der Produktschutz gewährleistet ist und Kosten eingespart werden.

ZehOptimale Verpackungen erfordern optimierte Verpackungsprozesse. Convenience ist das Schlagwort unserer Zeit. Flexibilität ist in allen Lebensbereichen gefragt und bezieht sich auch bei der Verpackungsherstellung auf das gesamte Handling. Flexible Verpackungsanlagen bedeuten Wettbewerbsvorteil. Karl Zeh, Selo Deutschland GmbH zeigte am Beispiel vorgefertigter Beutel, welche Optimierungen im Verpackungsprozess möglich sind. Welche Qualitätsvorteile bieten vorgefertigte Beutel, und wie macht sich dieses bei der Warenpräsentation beim Endkunden bemerkbar?

Meyer-HentschelEin Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des Silver-Awards durch das Meyer-Hentschel-Institut. Preisträger waren dieses Jahr die Homann Feinkost, Menshen und die STI Group.

So kann eine optimale Verpackung nur entstehen, wenn eine lückenlose Kommunikation aller Beteiligten auf Basis einer interdisziplinären Zusammenarbeit gewährleistet ist, gesellschaftliche Umwälzungen (Clean Label) und die produktionstechnischen Gegebenheiten berücksichtigt werden.

Die Teilnehmer lobten die hervorragende Organisation und betonten, dass die Referenten vorwiegend aus der Praxis kommen.

Das nächste Inno-Meeting findet am 20./21. Februar 2018 statt. Schwerpunktthema wird die Individualisierung der Verpackung sein. Sie möchten sich anmelden oder vielleicht auch referieren? Schreiben Sie eine Mail an coaching@innoform.de

Wir freuen uns auf Sie!

 

 

Mrz 302017
 
Henker_Matthias_Febr 2013_1_klein

Dr. Matthias Henker, geb. in Sohland/Spree ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Chemie an der TH Leuna-Merseburg und arbeitet seit fast 20 Jahren in verschiedenen Positionen im Bereich Entwicklung und Anwendung  von Druckfarben.
Seit 2006 ist er bei der Flint Group als Product Director Packaging & Narrow Web tätig.

Sein Arbeitsschwerpunkt sind flüssige Farben für den Verpackungsdruck. Seit einem Jahr beinhaltet das Arbeitsgebiet auch UV-härtende (speziell low migration) Druckfarben.

Wie sind Sie beruflich mit gesetzlichen Forderungen hinsichtlich Verpackungen befasst?
Ich habe mich schon in meiner ganzen beruflichen Laufbahn mit der Formulierung von Druckfarben für Lebensmittelverpackungen beschäftigt. Seit einigen Jahren bin ich Mitglied in der technischen Kommision Druckfarbe beim VdL und seit zwei Jahren auch in verschiedenen Gremien der EuPIA aktiv. Hier geht es u. a. darum, die nötigen Informationen in der Suppyl Chain zu organisieren, um die gesetzlichen Regelungen für Verpackungsmaterialien einzuhalten und diese auch aktiv mitzugestalten.

Welche Vorgaben halten Sie für besonders wertvoll und warum?
Art. 3 der Rahmenrichtlinie 1935/2004  halte ich für sehr wichtig – schließlich sind wir auch alle Verbraucher.

Welcher Bereich sollte dringend vom Gesetzgeber aus Ihrer Sicht geregelt werden?
Es sollte dringend geklärt werden, wie die lange Liste der in Lebensmittelverpackungen zwar verwendeten, aber toxikologisch nicht oder unzureichend bewerteten Stoffe rascher abgearbeitet werden kann. Dazu sollten  z. B. Methoden „with TTC“ verstärkt eingesetzt werden. Die Gesetzgeber und EFSA sollten hier klare (und einfache) Richtlinien erstellen, die auch in der Praxis umsetzbar sind.

Wo sehen Sie momentan für Packmittelhersteller besonderen Handlungsbedarf?
Bei allen Anwendungen mit strahlengehärteten  Systemen (Klebstoffe, Druckfarben usw.) sowie allen exotischen Anwendungen, wie z. B. Garung des Lebensmittels in der Verpackung im Ofen. Packmittelhersteller und  Brandowner sollten sich fragen, ob wirklich alle denkbaren Anwendungen umgesetzt werden müssen und dann vor allem sicher sind.

Wie schätzen Sie grundsätzlich die Bedeutung von Grenzwerten, z. B. für spezifische Migrationslimits (SML), ein?
Eine gute Sache, da sie Sicherheit und Klarheit geben und einfach zu verstehen sind. Allerdings ist der Prozess, weitere Stoffe zu evaluieren, zu aufwendig und dauert zu lange. Moderne Q-SAR Methoden könnten hier evtl. helfen.

Sie referieren über „’Non-intentionally added substances‘ in Druckfarben – die EuPIA NIAS und NLS Guideline“. Was bewegt Sie besonders in diesem Zusammenhang?
NIAS und NLS sind in der letzten Zeit ins öffentliche Interesse gerückt. Moderne Analyseverfahren erlauben immer detailliertere Aussagen über Stoffe, die – oft überraschend – gefunden werden. Wie mit diesen Stoffen umgehen und sie bewerten, ist ein spannender, aber oftmals auch komplizierter Prozess. Das geht nur gemeinsam in der Lieferkette, angefangen vom Hersteller der Rohstoffe über den Weiterverarbeiter bis zu demjenigen,  der das fertige Verpackungsmaterial letztlich nutzt. Da gibt es noch viel Lernbedarf.

Wofür begeistern Sie sich neben Ihren beruflichen Aufgaben?
Ich bin seit meiner Jugend Freizeitentomologe und befasse mich da mit der Erforschung und dem Monitoring der Tag- und vor allem Nachtfalterfauna in Hessen, speziell im Taunus. Digitale Makrofotografie nutze ich dabei zur Dokumentation.  Außerdem bin ich mit meiner Ehefrau seit vielen Jahren in einem Tanzsportverein aktiv (Breitensport).

Jan 132017
 
Kälin_Albin_1_Blog

Im Rahmen der Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen am 4./5. April 2017 in Würzburg referiert Herr Albin Kälin am 4. April über Cradle to Cradle Design – Kunststoffverpackungen für den Kreislauf.

Albin Kälin ist Gründer und Geschäftsführer der 2009 gegründeten EPEA Switzerland GmbH. Er forciert Cradle to Cradle® Projekte in allen Industrien im Alpenraum, insbesondere in der Schweiz und Österreich. Und entsprechend seiner Kernkompetenz in der Textilindustrie weltweit.

Von 1981 bis 2004 war er Geschäftsführer der Rohner Textil AG in der Schweiz. Unter seiner Leitung gewinnt das Unternehmen seit den 90er Jahren 19 internationale Auszeichnungen und Designpreise und übernimmt dadurch in ökologischen und ökonomischen Belangen eine weltweit anerkannte Pionierrolle.

Auf seine Initiative hin lässt sich das Unternehmen 1996 nach ISO 14001 und EMAS zertifizieren. Zugleich regt er 1993 die Entwicklung der Produktlinie Climatex® (www.climatex.com) und somit der ersten Cradle to Cradle® Produkte weltweit an.

Albin Kälin wird 2001 mit der UBS Key Trophy als Rheintaler Unternehmer des Jahres ausgezeichnet.

Von 2005 bis Ende 2009 übernimmt er die Geschäftsführung der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg.

Mit der Unterstützung der Wissenschaftler betreibt er von 2007 an zusätzlich intensiv den Aufbau des Geschäftsfeldes Cradle to Cradle® in den Niederlanden. Er übernimmt auch dort das Mandat des Geschäftsführers der 2008 gegründeten EPEA Nederland GmbH. Mit der Gründung der EPEA Switzerland GmbH gab er die Geschäftsführung von EPEA in Hamburg und den Niederlanden ab.

Die Tagungsüberschrift: Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen beschreibt den Spannungsbogen zwischen Marketing-, Konsumenten- und Umweltanforderungen. Wie sehen Sie insgesamt, abgesehen von Ihrem Vortragsthema, die Rolle der Verpackung im gesellschaftlichen Umfeld? Verpacken wir richtig?

Generell vermissen wir die Verpackung der Zukunft. Zu viele Konzepte sind von der Materialwahl nicht kreislauffähig, wie z. B. Verbundverpackungen, Aluminiumbeschichtungen, Druckfarben, Antimon Schwermetalle in PET, Organohalogene Chemikalien etc.

Mit Ihrem Thema Cradle to Cradle Design – Kunststoffverpackungen für den Kreislauf – leisten Sie einen inhaltlich sehr gut passenden Beitrag. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?

Cradle to Cradle Design – Kunststoffverpackungen für den Kreislauf

  • Flexpack fördert Nachhaltigkeit, ist jedoch bisher nicht kreislauffähig, wir zeigen einen Weg auf, wie es funktionieren könnte
  • Die 5 Pfeiler einer Kreislaufzertifizierung (Cradle to Cradle Certified™)
  • Biologische und technische Kreisläufe
  • Cradle to Cradle® Design definiert und entwickelt kreislauffähige Produkte.

Als Differenzierung zum konventionellen Recycling bleibt die Qualität der Rohstoffe über mehrere Produktlebenszyklen erhalten und es werden ausschließlich „als sicher bewertete Chemikalien“ eingesetzt.

Die Produktionsverfahren, der Gebrauch und die Wiederverwertung der Produkte werden nach dem Modell gestaltet, die Qualität der Rohstoffe über mehrere Lebenszyklen zu erhalten.
Das bedeutet: Kein Abfall, alles ist zugleich Nährstoff. Die richtigen Materialien werden in definierten Kreisläufen (Metabolismen) zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt.

Wo sehen Sie die wesentlichen Denkansätze Ihres Modells Cradle to Cradle – als Wissenstreuhänder?

Cradle to Cradle® Projekte sind in der Regel komplex. Für die erfolgreiche Entwicklung und Implementierung verfügen wir über umfangreiche/maßgebliche und die entsprechende Erfahrung, Know-How und Referenzen in folgenden Bereichen:

  • Wissenstreuhänder: immer wieder zögern Teile des Projektnetzwerkes, ausführliche Informationen preiszugeben, z. B. über ihre Zulieferer oder Materialien. In diesen Fällen fungiert EPEA Switzerland als Wissenstreuhänder.
  • Akkreditierter allgemeiner Gutachter für die Cradle to Cradle Certified™ oder Material Health Certification.
  • Business Development & Strategic Management (z. B. wirtschaftliche Integration von Rücknahmesystemen).
  • Projektentwicklung, Innovationsmanagement, Change Management (Paradigma Change).
  • Netzwerk-Management für Stoffströme (z. B. Vernetzung der Kreislaufschliessung).
  • Definition alternativer Lösungen (Chemikalien, Rohstoffe, Akteure der Kreislaufschliessung).
  • Marketing und Kommunikation (Unterstützung der Entwicklung von Marketing-Aussagen und Kommunikation).
  • Beratung Zertifizierung (akkreditierte, fachliche Begleitung, Audit bei den Unternehmen).

Medien und auch die öffentliche Meinung tendieren in jüngerer Vergangenheit eher zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bemängelt. Wie schätzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verhältnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein?

Die Kritik ist leider mehr als berechtigt. Es fehlen Konzepte von Positivlisten von Chemikalien, Druckfarben und ebenso wird die Lieferkette der eingesetzten Chemikalien nicht ausreichend beherrscht.

Folienverpackungen werden als Minimalverpackung bezeichnet. Doch in einem Punkt sind sich viele einig – das Recycling ist schwierig und belastet die Ökobilanz der Folie. Wie schätzen Sie diesen Nachteil im Vergleich zu Mehrweg- oder Pfandsystemen ein, wie es uns die Flaschenindustrie vormacht?

Leider sind die Folienverpackungen per se nicht kreislauffähig. Das muss sich ändern. Auf der Konferenz zeigen wir ein positives Beispiel, das in der Umsetzung ist. Werner & Mertz mit der Marke Frosch nimmt diese Herausforderung als Pionier an.

Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Wählen Sie Produkte bewusst oder unbewusst nach der Verpackung und nicht nur nach dem Inhalt aus? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann das Image eines Packmittels im Vergleich zu alternativen Packmitteln ein?

Ja, aber leider werden oft Konzepte als „Öko Junk“ angeboten. Wir müssen die Verpackungen zukunftsfähig für die kommenden Generationen gestalten.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was begeistert Sie außerhalb Ihres Berufes?

Weder Ja- noch Nein-Sager
Eigentlich bin ich Linkshänder. Als ich in die Schule kam, wurde ich gezwungen, mit rechts zu schreiben. Ich habe damals gefragt, warum, aber keine Antwort bekommen. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, nichts zu akzeptieren, dessen Sinn ich nicht einsehe. Ich will mein Leben so gestalten, dass es für mich und für die Gemeinschaft Sinn macht. Im Tun wird sichtbar, wie ich Verantwortung übernehme. Beruflich arbeite ich dafür, Innovationen zu ermöglichen, neue Produktionsformen zu entwickeln, die keinen Abfall mehr produzieren, sondern „Nährstoffe“ für weitere Produkte. Indem ich dem alten System neue Wege aufzeige, finde ich einen Mittelweg, wie ich weder Ja- noch Nein-Sager bin und überzeugt meine Verantwortung trage.

Sep 222016
 
chromos

Experten präsentieren neueste Drucktechnologien für hochwertige Verpackungslösungen auf der Fachtagung „Kompetenz in Verpackung“.
Glattfelden, Schweiz, 07. September, 2016. – Siegwerk, einer der führenden Anbieter von Druckfarben für Verpackungsanwendungen, Etiketten und Kataloge, und die Chromos AG, ein führendes Handelsunternehmen in der visuellen Kommunikation und Verpackungsindustrie mit Sitz in der Schweiz, waren Gastgeber der heutigen Fachtagung „Kompetenz in Verpackung“.

Mehr als 50 Kunden folgten der Einladung nach Glattfelden (Schweiz) und erhielten Einblicke in die neuesten Entwicklungen und Anwendungen von Druckfarbentechnologien für hochwertige Verpackungslösungen. „Die Anforderungen der Verpackungshersteller verändern sich stetig. Bei zunehmendem Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Endkonsumenten sind vor allem außergewöhnliche, innovative und nachhaltige Lösungen gefragt“, beschreibt Nils Eggimann, Regional Sales Director Flexible Packaging EMEA bei Siegwerk Switzerland AG, den Wandel im Verpackungsmarkt. Hierbei spielen alle eingesetzten Komponenten einer Verpackung eine Rolle: Folien, Druckfarben und -lacke, Klebstoffe, Haftvermittler und andere. Siegwerk ist Experte für Verpackungsdruckfarben.

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„Mit unserem umfangreichen Know-How und technischem Wissen unterstützen wir unsere Kunden dabei, den Anforderungen ihrer individuellen Verpackungsanwendungen gerecht zu werden“, fügt Nils Eggimann hinzu. „Für uns ist es wichtig, unsere Kompetenz und Expertise mit unseren Kunden zu teilen, und so die gemeinsame Innovationskraft zu stärken. Die heutige Fachtagung war hierbei eine ideale Plattform, interessierte Kunden mit unseren Experten zusammenzubringen und sie über Neuheiten und Zukunftspotenziale zu informieren.“

Erfahrene Experten von Toppan, Innoform, Morchem und Siegwerk führten die Teilnehmer durch Themen rund um innovative Farbtechnologien und -anwendungen, neue Barrierefolien und moderne Hochleistungs-Klebstoffe. Siegwerk-Experten stellten beispielsweise Neuheiten aus den Bereichen Digitaldruck und strahlenhärtende Systeme vor und gaben darüber hinaus Einblicke in hauseigene Innovationen bei polyurethanbasierten Druckfarben sowie in die Chancen wasserbasierter Flexodruckfarben für Verpackungen. Das abwechslungsreiche Programm vermittelte den Kunden einen Überblick über aktuelle Trends und zukünftige Entwicklungen mit Relevanz für hochwertige Verpackungslösungen. Dabei konnten sie ihre eigene Kompetenz in Sachen Verpackung im direkten Austausch mit den Experten und Referenten erweitern.

„Die heutige Fachtagung in der Schweiz war ein einzigartiger und höchst inspirierender Anlass mit hochkarätigen Referenten. Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig Netzwerke und Know-how-Verknüpfungen für den Bereich der hochwertigen Verpackungslösungen sind“, fasst Daniel Broglie, CEO der Chromos AG, zusammen. „Mit der Firma Siegwerk verbindet uns eine einmalige Partnerschaft: Seit der Gründung der Chromos-Gruppe 1946 arbeiten wir bereits mit Siegwerk zusammen. Das Unternehmen ist damit ein Partner der ersten Stunde. Darauf sind wir sehr stolz.“

Über Siegwerk
Siegwerk, ein in der sechsten Generation geführtes Familienunternehmen, ist einer der führenden internationalen Hersteller von Druckfarben und individuellen Lösungen für Verpackungen, Etiketten und Kataloge. Mit mehr als 180 Jahren Erfahrung verfügt das Unternehmen über fundierte Expertise und Produktkenntnisse in vielen Druckverfahren. Ein globales Produktions- und Servicenetzwerk sichert den Kunden ein weltweit konstant hohes Qualitätsniveau der angebotenen Produkte, Leistungen und Services. Gemäß der Unternehmensphilosophie „Ink, Heart & Soul – Druckfarben mit Herz & Seele“ strebt Siegwerk nach langfristiger Zusammenarbeit mit seinen Geschäftspartnern. Siegwerk beschäftigt weltweit rund 5.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Landesorganisationen mit Hauptsitz in Siegburg bei Köln. Weitere Informationen über Siegwerk finden Sie unter www.siegwerk.com

Über Chromos
Starke Marken, starke Lösungen: Chromos ist der systemübergreifende Anbieter für den Offsetdruck, Digitaldruck, Etikettendruck und Verpackungsdruck in Österreich, Deutschland und in der Schweiz. www.chromos.ch

Medienkontakt Siegwerk:
Annkatrin Junglass
Manager Corporate Communications
Tel.: +49 2241 304-420
E-mail: annkatrin.junglass@siegwerk.com

Mrz 132014
 
Baum Konformität

Welchen Inhalt eine Konformitätserklärung haben muss, kann man dem Anhang IV der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 entnehmen. Welche Angaben im Detail erforderlich sind und auf welcher Grundlage diese erfolgen müssen, ist leider nicht so einfach aus den Vorschriften abzuleiten. Dies ist der erste Teil einer Reihe von INNO-LETTERN, in der die erforderlichen Maßnahmen und Prüfungen für die Erstellung von Konformitätserklärungen Schritt für Schritt erklärt werden. Mehr:


1            Konformitätsarbeit

 

Basis für die Erstellung einer Konformitätserklärung ist die Konformitätsarbeit. Wenn man sich einen Baum vorstellt, so ist die Konformitätsarbeit die Wurzel, ohne die der Baum nicht existieren kann. Es handelt sich um eine Zusammenstellung von Belegen, mit denen der Ersteller der Erklärung nachweisen kann, dass sein Produkt den Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 entspricht.

Für den fertigen Bedarfsgegenstand muss die Konformitätsarbeit in allen Punkten abgeschlossen sein. Dafür werden die Informationen zur Konformität aller verwendeter Rohstoffe zusammengeführt. Für Produkte einer frühen Herstellungsstufe wird in der Regel ein großer Teil der Konformitätsarbeit delegiert. Dies ist aber nur möglich, wenn konkrete Maßnahmen, z.B. welche Stoffe zu überprüfen sind, weitergegeben werden. Für alle nicht delegierten Aspekte, die relevant für die Beurteilung der lebensmittelrechtlichen Konformität des Produktes sind, trägt der Lieferant die Verantwortung.

Der Käufer eines Produktes kann nur die Verantwortung für die Maßnahmen übernehmen, die an ihn delegiert worden sind.

 

1.1         Welche Belege sind erforderlich?

Grundlage für die Konformitätsarbeit ist die Zusammensetzung des zu beurteilenden Bedarfsgegenstandes (Materialaufbau), die Dokumente zur Bestätigung der lebensmittelrechtlichen Konformität und die vorgesehene Anwendung. Aus diesen Daten lassen sich die erforderlichen Prüfungen, Berechnungen oder sonstige Maßnahmen ableiten, die die Konformität des Bedarfsgegenstandes belegen.

 

Der Materialaufbau sollte nicht nur alle Kunststoffschichten enthalten, sondern auch Klebestoffe, Haftvermittler, Druckfarben etc. Für jede Komponente muss ein Dokument zur Bestätigung der lebensmittelrechtlichen Konformität vorliegen. Diese Dokumente sind unter verschiedenen Begriffen im Umlauf, wie z.B. Konformitätserklärung, Unbedenklichkeitserklärung, Unbedenklichkeitsnachweis, Zertifikat, Hinweis zur Herstellung von Lebensmittelverpackungen usw.

 

Die Beschreibung der Anwendung sollte z.B. folgende Punkte abdecken:

  • Verwendung (Verpackungsmaterial, Maschinenteil, …)
  • Füllgut (Art, pH-Wert, vorgesehen für Säuglinge und Kleinkinder?)
  • Abfülltemperatur
  • Wärmebehandlung (Temperatur und Dauer)
  • Lagertemperatur
  • Haltbarkeit / Lagerzeit
  • Zubereitung in der Verpackung
  • Oberfläche / Volumen-Verhältnis

 

Durch folgende Belege kann aufgezeigt werden, dass der Bedarfsgegenstand den Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 entspricht:

  • Ergebnisse von Prüfungen (z.B. Migrationsprüfungen)
  • Ergebnisse von Berechnungen, einschließlich Modellberechnungen
  • sonstige Analysen (z.B. Sensorik, Farblässigkeit)
  • Unbedenklichkeitsnachweise
  • wissenschaftliche Belege oder Begründungen

 

1.2         Wer muss die Belege zusammenstellen?

Der Hersteller oder Importeure der Rohstoffe, Zwischenprodukte oder Hilfsstoffe, die für die Herstellung von Materialien und Gegenstände, die mit Lebensmittel in Berührung kommen können, verwendet werden, müssen auf jeder Stufe der Herstellung entsprechende Belege bereitstellen.

 

1.3          Wer bekommt die Belege?

Diese Unterlagen werden in der Regel nicht an Kunden gegeben. Oftmals enthalten sie vertrauliche Angaben, wie z.B. Rezepturen, Bezeichnungen von Rohstoffen und deren Lieferanten, die als Firmen Know-how nicht nach außen gegeben werden. Die Belege sind auf Anfrage den nationalen Behörden zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen von IFS-Audits können diese Belege ebenfalls überprüft werden.

 

1.4         Wie oft müssen die Belege überarbeitet werden

Bleiben die Rezepturen bzw. Formulierungen sowie die Verarbeitungsbedingungen im Rahmen eines Qualitätssicherungssystems konstant und ändert sich nichts an den rechtlichen Bewertungsgrundlagen, ist keine Überarbeitung notwendig.

 

Um sicher zu stellen, dass die Angaben vom Zulieferer aktuell sind, empfehlen wir in regelmäßigen Abständen überarbeitete Dokumente zur Bestätigung der lebensmittelrechtlichen Konformität anzufordern und zu überprüfen. Gegebenenfalls ist auch der Abschluss einer Vereinbarung mit den Lieferanten möglich, dass diese automatisch über Änderungen informieren.

 

Beispiel

Wir bei Innoform haben dafür ein festgelegtes Verfahren in unserer EDV programmiert, mit dessen Hilfe wir die Konformitätsarbeit strukturiert und systematisiert haben. Dieser Prozess ist so sicher, dass wir Ihnen den größten Teil der Konformitätsarbeit abnehmen können und möchten.

Und das funktioniert so:

1)    Sie schicken uns ihren Materialaufbau, Informationen zur Anwendung des Bedarfsgegenstandes, die vorliegenden Konformitätserklärungen aller Inhaltsstoffe und sofern bekannt, die Ansprechpartner ihrer Lieferanten.

2)    Wir werten die Daten aus, fragen, falls gewünscht, die fehlenden Informationen bei ihren Lieferanten an und erstellen Ihnen einen Maßnahmenplan:

 

Abbildung 1: Beispiel eines Maßnahmenplan aus einem Innoform-Konformitätsstatus

 

3)    Bei Bedarf erhalten Sie ein Angebot für die erforderlichen Analysen

4)    Sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich, unterstützen wir Sie gerne bei der Erstellung ihrer Konformitätserklärung oder erstellen ein Konformitätsgutachten

Interesse? Gerne erstelle ich Ihnen ein individuelles Angebot!

 

Der nächste INNOLETTER wird sich mit der Auswertung der Daten beschäftigen.

 

Testservice:

Im Testservice Inno-Letter veröffentlichen wir News rund um Prüfungen für Folienverpackungen insbesondere die, die wir selber anbieten: http://www.innoform-testservice.de/tpages/benefit/qualitycontrol.php