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Stefan Hunger über Mehrweg2Go – ein nachhaltiges Qualitäts-Produkt nur aus Plastik

Das Inno-Meeting gilt mittlerweile als deutschsprachiger Branchentreff für Entscheider der Flexpack-Industrie. Was versprechen Sie sich persönlich von einem Beitrag zu dieser Veranstaltung?

Ich würde gern alte Denkmuster durchbrechen und zum Umdenken einladen. „Thinking out of the box“ und immer bessere und auch alternative Neuentwicklungen sollten in einem High-Tech-Land wie Deutschland selbstverständlich sein. Ich möchte klar machen, dass neue Materialen keine Bedrohung, sondern eine Chance für die Industrie sind.

Woran denken Sie bei unserem diesjährigen Fokus Neustart?

Ich denke dabei nicht, Vorhandenes zu verbessern oder ein bisschen weniger schlecht zu machen, sondern an Neuentwicklungen von Null an. Nur so ist es möglich, neue, bessere Wege zu gehen.

Ihr Thema lautet „Mehrweg2Go – ein nachhaltiges Qualitäts-Produkt nur aus Plastik“. Was wird Ihre Kernaussage sein und wo sehen Sie für den Zuhörer in erster Linie den Nutzen?

Die Kernaussage wird sein, dass sich Nachhaltigkeit und Plastik nicht ausschließen müssen. Der großen Mehrheit ist das noch nicht klar, und Kunststoff wird generell verteufelt. Ein Werkstoff mit so hohem Nutzen wie Kunststoff kann – wenn man ihn richtig entwickelt – wesentlich nachhaltiger sein als viele andere Materialien.

Sie verwenden ausschließlich Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind. Auch eine Plastiktüte ist biologisch abbaubar, es dauert „nur“ 400 Jahre. Wie sieht das bei Ihrer Sportflasche aus?

Eine Langzeitstudie über 400 Jahre können auch wir nicht vorweisen. Allerdings zersetzt sich die Bayonix Bottle rückstandsfrei, sprich, es bleiben weder Mikroplastik noch Schadstoffe zurück. In einem speziellen Verfahren können wir unser Material in wenigen Monaten zu Humus kompostieren.

Welche Konsequenzen kann ein Zurückdrängen oder sogar Verbot von bestimmten Verpackungen für die breite Masse und sogar für unsere Industrie haben?

Die breite Masse wird einen Teil der Güter ohne Verpackung einkaufen und einen anderen Teil in Mehrwegverpackungen, wie sie es früher ja schon getan hat. Die Kunststoffindustrie wird keinen Schaden nehmen, wenn der Fokus auf andere Anwendungsbereiche gelegt wird und alternative, völlig neu entwickelte Kunststoffe auf den Markt kommen, die den neuen Anforderungen gerecht werden.

Wie schätzen Sie persönlich die Zukunft von Kunststoffverpackungen ein? Muss das Rad zurückgedreht werden? Arbeiten Sie an alternativen Systemen?

Das Rad muss nicht zurück, sondern ein großes Stück nach vorne gedreht werden. Kunststoffe sind ein Segen und aus vielen Anwendungsbereichen nicht mehr wegzudenken. Allerdings ist der Kohlenstoff dieses Planeten endlich. Wenn wir es schaffen, in wirklichen Kreisläufen zu denken und auch zu handeln, können noch viele Generationen nach uns nach Herzenslust konsumieren.

Und dann noch eine private Frage: Was begeistert Sie außer Ihrem Beruf sonst noch?

Mich begeistern viele Dinge, wie Festivals, Freunde, Familie, Vereine oder mal ein gutes Buch. Meine Leidenschaft gehört aber dem Sport. Traditionelles Taekwondo, Mountainbiken und Skitouren begeistern mich gleichermaßen.

 

Stefan Hunger ist Gründer und Geschäftsführer der BAYONIX in Feldkirchen-Westerham. Als Spezialist für Produktion und Fertigungstechnik sowie Lean Management und Kaizen interessiert er sich von jeher für Verbesserungen aller Art.

Als er Anfang 2015 das Cradle to Cradle Prinzip kennenlernte, sprang sofort der Funke über. Erst gar keinen Müll produzieren, sondern mit Rohstoffen arbeiten, die sich zu 100 % wieder in den Kreislauf einfügen, das hat überzeugt und lässt ihn seitdem nicht mehr los.

Doch was passiert, wenn man versucht, dies in die Fertigungstechnik eines normalen Betriebes einzubringen? Es hagelt sofort Ablehnung in Form von „das geht nicht, weil …“ oder „das rechnet sich nicht“. Und es stimmt: Das eine oder andere wird nicht gehen, wenn man keine Additive oder andere Problemstoffe nutzt.

Aber wie lange wollen wir noch warten? Als aktiver Outdoor-Sportler ist ihm das zunehmende Plastikmüll- und Giftproblem, vor allem in Gewässern und den Ozeanen schon lange ein Dorn im Auge. Und als er auf das Cradle to Cradle Prinzip stieß, verstand er auf einmal, was geändert werden muss, wenn die Plastikmüll-Lawine gestoppt werden soll. Produkte zu schaffen, die für die kommenden Generationen Rohstoffe erhalten, erachtet er seitdem als wichtigsten Faktor für die Zukunft unserer Gesellschaft.

In Zukunft setzt er sein Wissen über Fertigungstechnik nur noch für 100 % kreislauffähige Produkte ein. Mit BAYONIX® möchte er einen Beitrag leisten und Produkte schaffen, die einen positiven ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Er glaubt, dass wir eine neue Industrie brauchen. Durchaus eine mit Technik und Maschinen, aber eine, die nur noch mit kreislauffähigen Produkten arbeitet. Er möchte sich mit Unternehmen und Menschen verbinden, die auch an dieser Vision arbeiten.