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Pierre Lorenz über Anforderungen an Regranulate in der Blasfolienextrusion

 Mit Ihrem Thema „Anforderungen an Regranulate in der Blasfolienextrusion“ leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in Würzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?

a) Vermeidung von unnötigen Produktionseinstell-Abfällen beim Einsatz dieser Materialien

b) Ideen, diese gewinnbringend einzusetzen, z. B. Circulene im Einsatz bei Lebensmittelverpackungen oder QCPs für Industrieverpackungen

Die Kunststoffverpackung dient in erster Linie dem Produktschutz und beugt somit Lebensmittelverschwendung vor. Trotzdem tendieren Medien und auch die öffentliche Meinung in jüngster Vergangenheit immer mehr zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bemängelt. Wie schätzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verhältnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein?

… persönlich bin ich der Meinung, dass unsere Kunststoffverpackungen aktuell nicht wegzudenken sind, um die Verschwendung des Wegwerfens von Lebensmitteln nicht noch höher zu treiben. Zudem ist die allgemeine Aufklärung unserer Massenmedien leider nicht zielführend, da die Aufklärung über die richtigen Aspekte im Umgang mit Kunststoff einfach meist wirklich nur negativ und nicht erklärend erläutert werden.

Eine persönliche Anekdote: Bei einem Vortrag über PE Green hatte ich die Frage: Herr Lorenz, finden Sie nicht auch, dass es etwas verschwenderisch ist, wenn man anstatt Lebensmittel in Brasilien Rohstoffe für die Kunststoffproduktion anbaut und weltweit Leute verhungern?

Meine Gegenfrage: Spielen Sie Golf? Antwort: Ja. Warum hat das mit PE Green zu tun? Ich: Sehr geehrter Herr …, man könnte auf dem Golfplatz sicher auch Kartoffeln anbauen, um den weltweiten Hunger zu stillen, oder??

Mein Gegenüber war sprachlos und ich glaube, er verstand nicht, dass man nicht zu viele Punkte vermischen sollte, wenn man leider unzureichend durch Presse etc. informiert wird.

Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsmüll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa (zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg). Welche Besonderheit steckt Ihrer Meinung nach hinter dieser Zahl?

… die immer mehr kleineren Single-Haushalts-Verpackungen, das Überangebot an z. B. Käse und Wurstwaren. Anfangs waren in der Regel 200 – 300 g Ware verpackt. Nun wird das Angebot immer mehr, der Markt bedient sich, aber man will ja von allem etwas kaufen und somit steigt der Kunststoffmüll an. Denn für 200 – 300 g Aufschnitt wird fast gleich viel Verpackung benötigt wie für 80 g.

Das Verpackungsgesetz soll Verpackungsmüll reduzieren oder anders gesagt Packmittelnutzen verbessern. Wie sieht Ihre Empfehlung zu diesem Themenkomplex aus?

Informationen – Informationen – Informationen, und das vor allem über die Presse global auch an die Haushalte. Zum Beispiel den Zugang über die Supermarkt-Ketten abbilden und Verbraucher auch dazu informieren und nicht nur Folienhersteller.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen „5-Punkte-Plan“ mit Maßnahmen für weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Maßnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verständnis dafür, wenn Gurken in Folien eingeschweißt und Obst und Gemüse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Behälter an der Frischetheke ermöglicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan?

Gute Ansätze, aber aktuell bewirkt es eher, dass die Ware von den Supermarktmitarbeitern im Lager ausgepackt und dann unverpackt in die Ladentheke gelegt wird. Somit wird der Müll mehr oder weniger hinter dem Rücken der Verbraucher entsorgt, aktuell noch Augenwischerei. Man muss natürlich auch die Transportvorschriften und die Verpackungsvorschriften der produzierenden Betriebe verändern.

Positiv ist bei dieser Umpack-Aktion, dass die Verpackungen größtenteils sortenrein und sauberer zurückgeführt werden können.

Ist Recycling für Sie der richtige Weg raus aus der Packmittel-Diskussion?

Es ist definitiv ein Ansatz.

Welche Maßnahmen müssen die „Inverkehrbringer“ von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?

… vielleicht mit dem Schulministerium sprechen, um das Verständnis und die Kenntnisse eines so weit tragenden Projektes als Lehrfach Umweltwirtschaft aufzunehmen.

Was denken Sie, wie wir in 20 Jahren einkaufen? Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?

… das übersteigt meine Zeit, hier zu kommentieren , sorry.

Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Und wie sieht die für Sie aus?

Teils und teils, ja und nein. Eine optimale Verpackung zu pauschalisieren, denke ich, gibt es nicht, da immer das Produkt, das man kauft, somit mit bewerten muss. Aber es gibt mitunter Verpackungen, die für manche Produkte nicht sinnvoll sind und hier Verbesserungen anzuregen sind. Zum Beispiel bei manchen Möbeln, eine Oberflächenschutzfolie + ein Einleger aus Zellulose oder ähnliches + ein Umkarton, warum nicht den Einleger weglassen? Oder Verpackungen in einer Aktion, die separat nochmals banderoliert werden bei zwei für eins, warum dieses nicht einfach am Aufsteller schreiben und sich die Banderole sparen!? Teilweise bei VFFS zu große TK-Verpackungen, weil die Druckbilder auf die Verpackung passen müssen und somit oft 1/4 zuviel Verpackung vorhanden ist …

Wie genau nehmen Sie es persönlich mit der Mülltrennung? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann die Mülltrennung ein?

Sehr genau , wenn die Entsorgung noch so genau funktionieren würde, dann wäre das sicher ein guter Weg weiter zu gehen …

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was begeistert Sie außerhalb ihres Berufes?

Meine Kinder, die Sonne Italiens mit einem guten Glas Wein, die Art der Niederländer, mit stressigen Situationen souverän umzugehen, unsere Hunde und auch Pferde …

Pierre Lorenz machte 1990 seine ersten Erfahrungen mit den flexiblen Kunststoffen. Seinerzeit arbeitete er schulbegleitend in der Folienextrusion und erlernte das Anfahren und Einstellen der Coexanlagen sowie deren Aufbau, indem er für Montageeinsätze nach Italien zu Macchi geschickt wurde, um diverse Teile (wie z. B. Extruderschnecken etc.) ein- und auszubauen. Bei dieser Tätigkeit half ihm seine erste Ausbildung als Maschinen & Systemtechniker.
Danach beschäftigte er sich mit der Planung von Extrusionsanlagen, um effiziente Fertigungsprozesse zu arrangieren, bis hin zum 8-farbigen Flexodruck und dessen Veredlung im lösemittelfreien Kaschierverbund für Endkunden in DACH und in den Niederlanden.
Die stetigen Absprachen mit dem Einkauf halfen, direkten Einfluss auf die Rohstoffauswahl zu nehmen, um so die optimalen Folienqualitäten zu bestimmen und zu entwickeln.


Pierre Lorenz folgt den Entwicklungen im Kunststoffmarkt und kann so seinen Kunden die besten Lösungen anbieten. Analytische Fähigkeiten, gepaart mit unzähligen praktischen Erfahrungen lassen keine Wünsche offen. Entwicklungen hochtransparenter Schrumpffolien für die Kunststoffbecher-Industrie, über optimierte und extrem durchstoßfeste TK- Folien bis hin zu Hochleistungs-Kaschierverbunden. Beratungen im Bereich zu Herstellerfahren Spheripol, Impact der Polymere sind keine Fremdwörter für ihn!

Er setzt seine langjährig erworbenen sen. Key Account Kenntnisse ein, um für die Kunden die bestmöglichen Qualitäten und Lösungen anzubieten und sucht Potenziale, die er mit seinen Folien in die Zukunft führen kann.

Der Wechsel zur Polymer-Distribution ermöglicht es ihm, noch tiefer in den technischen Verkauf, die Qualitätswelten der Granulate und die damit verbundenen Lösungsansätze für neue Projekte einzutauchen.

Am liebsten beschäftigt er sich mit den ungeahnten Möglichkeiten von Load Security sowie Produktentwicklungen, vom Rohstoff/Granulat bis zur fertigen Folienverpackung

Segment Manager Packaging Solutions – pierre.lorenz@ultrapolymers.de – www.ultrapolymers.de