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Julia Botos zur gesamtheitlichen Betrachtung der Verpackung

Mit Ihrem Thema „Ressourceneffizienz durch optimierte Transportverpackungssysteme“ leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung Umwelt- und umfeldgerechte Kunststoffverpackungen durch Kreislaufwirtschaft im Mai in Würzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?

In diesem Vortrag wird aufgezeigt, wie wichtig die gesamtheitliche Betrachtung der Verpackung im Logistikprozess ist. Dabei ist es besonders wichtig, Primär-, Sekundär- und Tertiärverpackungen aufeinander abzustimmen und zu optimieren. Auf diese Weise können über die Wertschöpfungskette der Produkte hinweg Ressourcen eingespart und die Umwelt vor schädlichen Belastungen geschützt werden.

Ihr Titel klingt nach einem Mehr an Verpackungen zum Schutze des Füllgutes. Wie passt das in die heutige Zeit des Verpackungs-Bashings?

Der sichere Warentransport ist nicht zwangsläufig mit einem Mehr an Verpackungen verbunden. Mit dem Wissen um vorherrschende Bedingungen während des Transportes kann die Verpackung so effizient und ressourcenschonend wie möglich ausgelegt werden. Auch die Art und Weise der Platzierung des Packguts auf dem Transportmittel spielt dabei eine große Rolle.

Die Kunststoffverpackung dient in erster Linie dem Produktschutz und beugt somit Lebensmittelverschwendung vor. Trotzdem tendieren Medien und auch die öffentliche Meinung in jüngster Vergangenheit immer mehr zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bemängelt. Wie schätzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verhältnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein?

Wenn wir das Umweltrisiko aus einer anderen Perspektive betrachten, geht es nicht nur um den Produktschutz, sondern auch um den Schutz von Mensch und Umwelt. Zum Beispiel können durch havarierte Verpackungen Chemikalien ins Erdreich gelangen. Es gibt auch Verkehrsunfälle, bei denen eine mangelnde Verpackung zu schwerverletzten Personen geführt hat. Dies führt hin bis zu Unfällen mit Todesfolge.

Das Verpackungsgesetz soll Verpackungsmüll reduzieren oder anders gesagt Packmittelnutzen verbessern. Wie sieht Ihre Empfehlung zu diesem Themenkomplex aus?

Wir sind auch der Meinung, dass durch eine durchdachte Entwicklung der Einsatz von Verpackungen effizienter und ressourcenschonender möglich ist. Bei der Entwicklung ist es wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen und nicht nur die Einzelverpackung zu betrachten. Der Fokus sollte dabei auf der Betrachtung von ganzheitlichen Verpackungsprozessen liegen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen „5-Punkte-Plan“ mit Maßnahmen für weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Maßnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verständnis dafür, wenn Gurken in Folien eingeschweißt und Obst und Gemüse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Behälter an der Frischetheke ermöglicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan?

Grundsätzlich ist der Gedanke von Bundesumweltministerin Svenja Schulze aus Sicht des Verbrauchers erst einmal nachzuvollziehen. Wichtig bei solchen Grundsatzentscheidungen ist es jedoch, die komplette Prozess- und Lieferkette von Produkten zu begutachten. Ist es zum Beispiel logistisch möglich, dass die Produkte ohne Verpackung in die Supermärkte und somit zum Endverbraucher transportiert werden können? Ich denke, dass gesetzliche Maßnahmen der falsche Weg sind. Es ist viel entscheidender, dass sich die Verpackungsproduzenten mit den Handelsketten und den Endverbrauchern austauschen und die jeweiligen Bedürfnisse berücksichtigen.

Ist Recycling für Sie der richtige Weg raus der Packmittel-Diskussion?

Das Thema Recycling spielt gerade bei Packmitteln eine große Rolle. Vermutlich wird der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen aufgrund der Ressourcenvorkommnisse nicht für die komplette Verpackungsindustrie möglich sein. Wichtig ist deshalb der Einsatz von Monomaterialien, die sich besonders gut dem Recyclingprozess zuführen lassen. Die DUO PLAST hat ihren Fokus daher auf die Herstellung von Blasfolien aus LLDPE fokussiert, dabei wird insbesondere auf den Zusatz von PIB verzichtet. Überdies sind unsere Blasfolien 100 % recyclefähig, durch weitere Investitionen in unsere Recyclingkapazitäten in 2019 können wir den gesteigerten Nachfragen im Markt folgen. Damit können wir den Einsatz und die Qualität von Recyclaten stetig steigern; wichtig dabei ist die Balance mit neuen Rohstoffen, um die Ladeeinheitenstabilität nicht zu gefährden. Des Weiteren sehen wir mit Interesse der Entwicklung von Post Consumer Recycling (PCR) entgegen, damit sich auch in diesem Bereich die Qualität steigert, um diese breiter in unseren Folien einzusetzen. Entsprechend interpretieren wir, dass Recycling in Zukunft einen wichtigen Teil in der Packmittel-Diskussion einnehmen wird. Weitere Treiber dazu sind Brand-Owners und Retailers (Supermarktketten).

Welche Maßnahmen müssen die „Inverkehrbringer“ von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?

Sicher ist darüber nachzudenken, ob es eine Möglichkeit gibt, die Verpackungen einem geregelten Werkstoffkreislauf zuzuführen. Die zurückgeführten Verpackungen können auf diese Weise wieder dem Herstellungsprozess sortenrein zugeführt werden. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, nicht nur jeden einzelnen Teil der Verpackung, sondern die Verpackungskomponenten bis zum Endeinsatz beim Kunden zu betrachten.

Was denken Sie, wie wir in 20 Jahren einkaufen? Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?

Die Frage ist, ob wir in 20 Jahren überhaupt noch klassische Supermärkte zum Einkaufen vorfinden. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier die Logistikprozesse sehr stark ändern werden. Ich denke, wir werden zwei unterschiedliche Varianten vorfinden. Zum einen die Erlebnismärkte, in denen der Kunde nicht nur einkaufen geht, sondern auch „unterhalten“ wird. Hier wird interaktives Einkaufen groß geschrieben. Zum anderen, dass der Einkaufsvorgang vermehrt digital erfolgen wird. Die Menschen wollen die Freizeit, welche sie neben ihrem Berufsalltag erleben, nicht in Supermärkten verbringen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kunden ihre Bestellung zum Beispiel in der Mittagspause digital aufgeben und der Lieferservice die Waren nach Hause liefert und direkt in der Küche bzw. dem Kühlschrank verstaut. In diesem Fall müssen die Verpackungen nicht mehr marketinggetrieben entwickelt werden, da der Kunde nicht mehr die Qual der Wahl am Supermarktregal hat.

Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Und wie sieht die für Sie aus?

Ich persönlich gehe seit Jahren mit meiner Tragetasche aus Stoff zum Einkaufen. Zudem achte ich auf regionale und saisonale Produkte. Da ich meine Lebensmittel nach einem Wochenplan einkaufe und frisch zubereite, ist eine Verpackung, die für eine längere Haltbarkeit sorgt, für mich nicht ausschlaggebend, da die von mir bezogenen Lebensmittel in der Regel zeitnah verbraucht werden. Gerade beim Obst und Gemüse könnte meiner Meinung nach auf die eine oder andere Verpackung verzichtet werden. Da die Lebensmittel grundsätzlich nochmal gewaschen bzw. erhitzt werden, ist auch das Thema Hygiene durch den Kontakt mit anderen Kunden für mich zweitrangig.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was begeistert Sie außerhalb Ihres Berufes?

Ich bin ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig. Für mich ist es besonders wichtig, die Kinder und Jugendlichen bei ihrem Werdegang zu begleiten und ihnen ein eigenverantwortliches Handeln zu ermöglichen.

Julia Botos (Dipl.-Ing.) studierte Kunststoff- und Elastomertechnik an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Ihre Diplomarbeit befasste sich mit der beschleunigten Entwicklung von Barrierefolien mittels eines Atline-Permeations-Messgerätes im Kunststoff-Zentrum (SKZ) in Würzburg. Dort arbeitete sie von 2011 bis 2016 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Geschäftsfeld Messtechnik der Forschung und Entwicklung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Farb- und Permeationsmessung von Kunststoffen.
Seit 2016 arbeitet sie bei der DUO PLAST. Sie leitet dort das Technologiezentrum für die Prüfung und Optimierung von Verpackungen für den Warentransport.

Am liebsten beschäftigt sie sich mit Verpackungsoptimierung.