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Dieter Hauser über den Einfluss von Marketing-Tools auf die Kreislaufwirtschaft

Mit Ihrem Thema „Wer gewinnt – Nachhaltigkeit oder Profit?“ leisten Sie einen Beitrag zu unserer Tagung im Mai in Würzburg. Was genau werden Ihre Kernaussagen sein?

Ich beleuchte das Spannungsfeld zwischen Umweltaspekten und wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Die Motivation der Konsumenten als zentrale Grundlage von Planung und Entwicklung. Die Komplexität der Thematik und ihre Überforderung der normalen Verbraucher. Die Behandlung von Umwelt-Themen als Marketing-Tools und deren Vermittlung auf der Gefühls-Ebene. Deren Einfluss auf die Kreislaufwirtschaft der Vergangenheit und deren Fortgang in der Zukunft.

Die Kunststoffverpackung dient in erster Linie dem Produktschutz und beugt somit Lebensmittelverschwendung vor. Trotzdem tendieren Medien und auch die öffentliche Meinung in jüngster Vergangenheit immer mehr zu Negativ-Darstellungen von Verpackungen insgesamt. Neben Umweltrisiken werden auch immer wieder Gesundheitsrisiken bemängelt. Wie schätzen Sie das Aufwand-Nutzen-Verhältnis von Verpackungen allgemein und von Kunststoffverpackungen insbesondere ein?

Grundsätzlich glaube ich, dass die negative Darstellung viel zu pauschal, viel zu simpel ist. Kein Produzent wird ohne Not und schon unter Kostenaspekten wesentlich mehr Verpackung produzieren als für ein Produkt nötig. Dabei schließe ich verkaufsfördernde Aspekte ausdrücklich mit ein.

Insbesondere Kunststoffverpackungen tragen in hohem Maße dazu bei, Lebensmittel länger haltbar zu machen. Sie haben einen großen Anteil an der Eindämmung von Lebensmittel-Abfall. Zu schnell verderbende Ware würde noch schneller Negativberichte provozieren, man würde die Hersteller an ihre Verantwortung erinnern – die sie ja wahrnehmen.

Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsmüll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa (zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg). Welche Besonderheit steckt Ihrer Meinung nach hinter dieser Zahl?

Mit Sicherheit gibt es nicht nur eine Ursache hierfür. Ich vermute zum einen das übersteigerte Hygienebedürfnis der Deutschen bei Lebensmitteln. Zum anderen werden nach meinem Wissen z. B. im Lebensmittelbereich mehr abgepackte Waren gekauft im Vergleich beispielsweise zu Frankreich. Zum Dritten vermute ich die überbordenden Vorgaben der deutschen Bürokratie, nicht nur bei Lebensmitteln.

Sie sagen, dass die Verpackungsvermeidung noch nicht mit den dualen Systemen geklappt hat. Woran liegt das und was müssen wir dafür aus Sicht eines Designers besser machen?

Das liegt u. a. am menschlichen Wesen und unseren Motivationen. Wenn wir glauben – und das wurde im Prinzip so vermittelt – mit dem dualen System sei das Grundproblem angegangen: warum sollten wir unser Verhalten ändern?

Aus Designer-Sicht müssen wir versuchen, umweltfreundlichere Prozesse einzusetzen oder zumindest zu unterstützen. Viele kleine Schritte helfen mehr und schneller als die große Suche nach der allumfassenden Lösung. Dazu müssen wir uns informieren und Kontakt suchen zu den Spezialisten. Denn Designer selbst verstehen naturgemäß meist zu wenig von Werkstoffen im Detail.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen „5-Punkte-Plan“ mit Maßnahmen für weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Maßnahmen zur Vermeidung von Plastik vor. Sie hat kein Verständnis dafür, wenn Gurken in Folien eingeschweißt und Obst und Gemüse in Kunststoffverpackungen abgepackt sind. U. a. soll mehr Ware unverpackt angeboten und private Mehrweg-Behälter an der Frischetheke ermöglicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, scheint sie dabei nicht zu bedenken. Was halten Sie von diesem Plan?

Das scheint mir zu populistisch und undurchdacht. Wie weit „kein Verständnis“ ausreichend ist, wurde schon zu oft bewiesen, und es sollte nicht wieder ein unausgegorenes Gesetz vom Zaun gebrochen werden. Unverpackte Ware klingt oberflächlich toll, wird aber nicht das Allheilmittel in großen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen sein. Es klingt mehr nach dem Versuch einer simplen Antwort auf hochkomplexe Fragen. Die kann es aber nicht geben.

Welche Maßnahmen müssen die „Inverkehrbringer“ von Verpackungen ergreifen, um eine ausgewogenere Diskussion zu erreichen?

Information, Aufklärung, und das am besten sachlich und verständlich.

Leuchtturm-Beispiele sollten und dürfen aber Marketing betreiben, das vermutlich genauso viel bewirkt.

Was denken Sie, wie wir in 20 Jahren einkaufen? Wie werden umwelt- und umfeldgerechte Verpackungen in 10 oder sogar 20 Jahren aussehen?

Wenn ich hierauf die richtige Antwort wüsste, wäre ich vermutlich einer der bestbezahlten Berater der Welt 😊 Aber ich habe einen Traum, wohin die Entwicklung führen soll: Dass Verpackungen in all ihren Facetten nicht mehr Müll sein werden, sondern Rohstoff oder Kompost. Ganz nach dem Cradle to Cradle Prinzip.

Achten Sie auf eine optimale Verpackung, wenn Sie privat einkaufen? Und wie sieht die für Sie aus?

Ja, das tue ich! Sie sollte nicht mehr sein als nötig, unter allen Gesichtspunkten. Gutes alltagstaugliches Handling ist wichtig. Wichtig ist aber auch: sie soll und darf Spaß machen!

Wie genau nehmen Sie es persönlich mit der Mülltrennung? Und wie wichtig stufen Sie als Verbraucher und Fachmann die Mülltrennung ein?

Wir gehören zu den typisch deutschen Müll-Trennern, zum Teil bin ich schon fast pedantisch. Grundsätzlich sehe ich das als eine positive Beschäftigung mit dem Thema, die Bewusstsein schafft und schärft. Leider wird es mir und anderen zunehmend schwerer gemacht, an das Gute daran zu glauben.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was begeistert Sie außerhalb Ihres Berufes?

Meine Frau und meine Familie, gutes Essen und Trinken, Reisen und … Musik, selbst gemacht. Ich spiele schon eine ganze Weile Schlagzeug und kann es nicht sein lassen, das ist wie eine Sucht.

Dieter Hauser (Dipl.-Designer) studierte Kommunikations-Design an der FH in Trier. Im Sommer 1986, direkt im Anschluss an das Studium, machte er sich selbstständig. Die ersten 6 Monate arbeitete er tagsüber als „fester freier Mitarbeiter“ in der damals größten Werbeagentur in Trier, abends in seiner eigenen Agentur HS Design, zu Beginn eine 1-Mann-Firma. Bereits im Frühjahr 1987 bearbeitete er die ersten Aufträge im Bereich Packungs-Design und POS-Materialien für einen Tabak- und Zigaretten-Produzenten. Dieses Unternehmen ist bis heute ununterbrochen Kunde von HS Design. Viele weitere Kunden werden schon seit 15 bis 20 Jahren betreut. HS Design ist heute ein Team von 8 fest angestellten Mitarbeitern, 2 Freelancer unterstützen bei Bedarf das Team.